Viele Christen sind Arianer
Ein Zeichen der Einheit in einer zerrissenen Zeit
Das Heilige Jahr 2025 fällt zusammen mit einem bedeutenden historischen Jubiläum: dem 1700. Jahrestag des ersten ökumenischen Konzils der Kirchengeschichte, dem Konzil von Nizäa im Jahr 325. Dieses Konzil ist nicht nur ein Meilenstein der Theologie, sondern auch ein starkes Symbol für die ökumenische Bewegung heute. Herr Kardinal betont in seinem Beitrag die doppelte Bedeutung dieses Konzils: theologisch und ökumenisch.
Die theologische Tragweite
Damals, im vierten Jahrhundert, erschütterte eine massive Kontroverse die junge Kirche: die Auseinandersetzung mit dem alexandrinischen Theologen Arius. Arius lehrte, dass Jesus Christus nicht wahrer Gott sei, sondern lediglich ein Geschöpf – wenn auch das höchste unter den Geschöpfen. Diese Auffassung bedrohte den damals entstehenden Glauben an die Trinität, der letztlich auf dem Konzil von Nizäa dogmatisch formuliert wurde.
Die Antwort der Kirche war eindeutig: Jesus Christus sei „wesensgleich“ (griechisch: homoousios) mit dem Vater. Er sei nicht nur Gottes Adoptivsohn oder ein besonders begabter Mensch, sondern der ewige Sohn, wahrer Gott und wahrer Mensch. Diese Formel wurde zum Fundament des offiziellen christlichen Bekenntnisses.
Die ökumenische Dimension
Warum aber ist dieses Konzil auch für die Ökumene im Jahr 2025 so bedeutsam? Weil es in einer Zeit stattfand, bevor die großen Kirchenspaltungen eingetreten waren. Das Konzil von Nizäa ist also ein gemeinsames Erbe aller christlichen Kirchen – der östlichen wie der westlichen, der orthodoxen wie der reformatorischen Gemeinschaften.
Ein gemeinsames Gedenken wäre ein kraftvolles Zeichen der Verbundenheit – so die kirchliche Perspektive. Doch es gibt auch andere Stimmen, die genau hier kritisch ansetzen.
Kommentar auf www.verwurzelt.eu
Für uns auf verwurzelt.eu, die wir den spirituellen Wurzeln des Glaubens nachspüren, fühlt sich dieses Jubiläum zwiespältig an. Nicht, weil wir das Ringen um Wahrheit gering schätzen – im Gegenteil. Sondern weil wir die Position des Arius nicht als Irrtum, sondern als prophetische Stimme verstehen, die durch die Jahrhunderte hindurch ihren Wert behalten hat.
Dass heute nur noch 32 Prozent der katholischen Christen sagen, sie glauben, dass sich Gott in Jesus Christus offenbart hat, wird von offizieller Seite als Krise gewertet. Wir jedoch sehen darin ein Aufwachen. Ein Verständnis, das Jesus als vollkommenen Menschen ernst nimmt – als Jesuaner, die dem Menschensohn folgen, nicht einem metaphysischen Dogma. Wir glauben: Jesus hat den Gott Israels bezeugt, nicht sich selbst vergöttlicht.
Das Heilige Jahr 2025 kann ein Jahr der Ehrlichkeit werden. Ein Jahr, in dem wir neu fragen: Wer war Jesus wirklich? Was wollte er? Wer ist der Gott, den er "Abba" nannte? Vielleicht führen uns diese Fragen nicht in den Streit um Wesen und Naturen, sondern in die Nachfolge: einfach, radikal, menschlich und durchdrungen vom Geist der Liebe.
Für uns ist Arius kein Irrtum, sondern Erinnerung daran, dass Glaube immer mit Fragen beginnt. Und Jesus selbst hat nie verlangt, angebetet zu werden – sondern nachzufolgen.
Fazit: Das Konzil von Nizäa ist ein monumentales Ereignis – aber nicht das Ende der Wahrheitssuche. 1700 Jahre später sind wir eingeladen, nicht nur zu erinnern, sondern auch zu fragen, zu zweifeln, zu glauben: menschlich, jesuanisch, verwurzelt.