Rabbi Michael Laitman (Bnei Baruch Kabbala)

Während Rabbi Laitman die Kabbala eher als eine universelle spirituelle Wissenschaft lehrt, versteht Chabad Chassidut die Kabbala als seelenzentrierten Lebensweg, verwurzelt in der Mizwotpraxis und der jüdischen Identität. Chabad spricht vom „inneren Teil der Tora“ (Pnimiyut haTora), der nur durch die Verfeinerung des Herzens und der Handlung erkannt werden kann.

Lag BaOmer aus kabbalistischer Sicht

Lag BaOmer beginnt am Abend des 15. Mai und wird einen Tag lang gefeiert.

Dieser fröhliche Feiertag wird am 33. Tag der Omer-Zählung zwischen Pessach und Shawuot gefeiert. Außerdem ist er Shimon Bar Yohai (RASHBI), dem bedeutenden Kabbalisten, der das Buch Sohar schrieb, gewidmet. Er starb am Tag Lag BaOmer


Traditionelles

An diesem fröhlichen jüdischen Feiertag, der jedes Jahr am 18. Iyar stattfindet, machen viele Menschen ein Lagerfeuer, amüsieren sich und feiern Hochzeiten, was in der Zeit von Pessach bis Shawout nur an Lag BaOmer erlaubt ist. Viele vollziehen an diesem Tag auch das Halake-Ritual, den ersten Haarschnitt von Jungen, die das dritte Lebensjahr erreicht haben.
Dieser Feiertag ist außerdem Shimon Bar Yohai (RASHBI), dem bedeutenden Kabbalisten, der das Buch Sohar schrieb, gewidmet. Er starb am Tag Lag BaOmer.

Kabbalistische Sicht

Lag BaOmer ist kabbalistisch gesehen ein Feiertag des Lichts. Lag ist ein Akronym für Lamed, mit dem Zahlenwert 30 und Gimel, mit dem Zahlenwert 3, also 33. Omer ist einerseits eine Maßeinheit, bedeutet aber auch Garbe (Bündel aus Weizenähren). Der ganze Name Lag BaOmer kann daher mit „dreiunddreißig Tage zählen“ übersetzt werden. Deshalb findet der Feiertag am 33. Tag nach Pessach, nach dem „Auszug aus Ägypten“ statt. Damit ist der Auszug aus dem egoistischen Verlangen hin zum Geben, um zu Geben gemeint. Danach beginnt die „Reinigung“ aller Verlangen bis zum 50. Tag, dem Feiertag Shawuot. Nach diesen 50 Tagen sind alle Verlangen gereinigt und für das Empfangen der Tora bereit. Es ist das Licht, das die Verlangen korrigiert, um empfangen um zu geben zu können.
Bis zu Lag BaOmer gilt man noch nicht als vollständig aus Ägypten ausgezogen. Denn erst wenn alle „ägyptischen“, egoistischen Verlangen zum Geben um zu Geben gewandelt sind, ist man vollständig aus Ägypten ausgezogen. Insgesamt muss man in 50 Schritten von Pessach bis Shawuot 49 Sefirot korrigieren. Sind 33 Sefirot korrigiert, braucht man nicht mehr daran zweifeln, dass man die Korrektur vollenden wird, denn ab dem Zustand Lag BaOmer beginnt das Licht der „Gabe der Tora“ bereits zu leuchten, wenn zunächst auch nur aus der Entfernung. Das bedeutet, danach beginnt man, sich für den  „Empfang der Tora“ an Shawuot vorzubereiten.
Der „Auszug aus Ägypten“ geschieht unter dem Einfluss des Höheren Lichtes Chochma, das sich dank dem Erwachen des Menschen offenbart. Als Ergebnis erhebt der Mensch sich über seinen Egoismus und trennt sich von ihm. Dies passiert aber nur dank dem Licht, das von oben kommt. Die Verlangen des Menschen bleiben noch egoistisch, aber das Licht ermöglicht es, zu wollen, dass man sich über den Egoismus erheben kann.
Es gibt eine Verbindung zwischen der spirituellen Wurzel und den physischen Festen dieser Welt, und deswegen gibt es Tage, an denen das den Menschen umgebendes Licht stärker wirkt. Deswegen muss man die besondere Zeit des Feiertages Lag BaOmer, an dem alle Bedingungen auf die Korrektur ausgerichtet sind, nutzen. An diesem Tag sollte man mit allen Kräften versuchen, Verbindung zwischen den Menschen zu erreichen.

Geschichtliches

In der Geschichte der Menschheit zeigt sich die Auswirkung dieses Lichtes an einem Ereignis, an dem vierundzwanzigtausend Schüler von Rabbi Akiva gleichzeitig verstorben sind. In ihnen kam ein so großer Egoismus zum Vorschein, dass sie anstelle der Liebe zum Nächsten –  welche ihr Lehrer Rabbi Akiva von ihnen gefordert hatte – in grundlosen Hass verfielen. Deswegen konnten sie das Licht der Korrektur, das sich damals offenbarte, nicht aushalten und starben. Da sie ihren Egoismus nicht überwinden konnten, sind sie spirituell gestorben und verschwanden deshalb auch physisch durch eine Epidemie. Ab dem Tag Lag BaOmer starb niemand mehr.
Allerdings blieb nur eine kleine Gruppe von Schülern unter der Leitung von Rabbi Shimon übrig. In dieser Gruppe gab es zehn Menschen, die sich wie zehn Sefirotverbinden und dank dieser Verbindung das Buch Sohar schreiben konnten. Sie erhielten das Licht, das zur Quelle zurückführt, und mit dessen Hilfe konnten sie die 125 Stufen der Korrektur durchgehen. Das eigentliche Licht zu beschreiben ist unmöglich, doch ihre Korrekturen und Offenbarungen konnten diese Menschen aufgeschrieben. Denn als das Licht ihre Verlangen, welche nach Verbindung strebten, beleuchtete, erlangten sie eine neue Formen der Vereinigung, in welcher sich das Licht, die Tora, offenbarte. Der Sohar ist heute das wichtigste kabbalistische Buch, da es einen Kommentar zum Pentateuch enthält, der es den Menschen ermöglicht, mit Hilfe einer Gruppe Gleichgesinnter zur Korrektur zu gelangen.

Zusammengefasst aus dem Beitrag: Unterricht von Rav Michael Laitman zum Thema „Feiertag Lag ba-Omer“, 14.05.2017


Gegenüberstellung: Kabbala Laitman – Chassidut Chabad

Gemeinsamkeiten

  • Beide Schulen streben danach, das verborgene Wissen der Kabbala in die heutige Zeit zu bringen.
  • Beide betrachten den Menschen als Partner im Schöpfungsprozess.
  • Beide akzeptieren die Grundstruktur der 10 Sefirot und das Schema von Licht und Gefäß.
  • Beide betonen die Überwindung des Ego und die Ausrichtung auf das Geben.


*Halacha (הֲלָכָה) bedeutet wörtlich: der Weg, das Gehen – abgeleitet vom hebräischen Verb halach (הלך), „gehen“.

In ihrer tiefsten Bedeutung ist Halacha der göttliche Pfad, den wir in dieser Welt gehen sollen – eine göttliche Choreographie des Alltags, die jede Handlung, jeden Moment, jede Begegnung mit Licht durchdringt.

Halacha ist nicht bloß Gesetz – sie ist der lebendige Ausdruck des Willens G‑ttes in Zeit und Raum.

Aspekt

Quellenbasis



Lehrmethode



Zugang zur Kabbala




Ziel des spirituellen Weges




Menschenbild




Bezug zur Halacha*



Sprache




Öffnung zur Welt

Bnei Baruch Kabbala

Zohar, ARI (Isaak Luria), Baal HaSulam (Yehuda Ashlag)


Systematisch-philosophisch, auf modernen Sprachgebrauch übertragen


Offen für alle Menschen, auch für Nichtjuden




Ähnlich wie im Lurianischen Schema: Gleichklang mit dem Schöpfer durch „Empfangen um zu geben“


Mensch als Reshimot-getriebenes Verlangen, das durch Korrektur zum Gebenden wird



Sie wird erwähnt, aber spielt für den inneren Aufstieg keine zentrale Rolle


Technisch, modern, mit Begriffen wie „Licht“, „Gefäß“, „Bildschirm“, oft ohne klassisch-religiösen Jargon


Global orientiert, auch für säkulare Menschen gedacht

Chabad Chassidismus

Zohar, ARI, Talmud, Midrasch, Tanya (Rabbi Schneur Salman von Liadi)


Psychologisch-innerlich, seelenzentriert, tief verbunden mit jüdischem Leben und Halacha


Innerhalb des Rahmens von Tora und Mizwot, vorzugsweise für Männer über 40 mit Toragelehrsamkeit


Devekut (Anhaftung an G‑tt), Bitul haYesh (Auflösung des Ego), Tikkun haMiddot (Läuterung der Charaktereigenschaften)


Mensch als göttliche Seele mit einem tierseelischen Anteil – ständiger Kampf im Innern


Halacha ist unverzichtbare Grundlage – jedes spirituelle Streben ist in Mizwot eingebettet


Poetisch, seelenvoll, hebräisch durchtränkt, mit tiefen Anspielungen auf Tora, Psalmen, Midrasch


Universelle Botschaft, aber tief verwurzelt im jüdischen Volk und im Dienst an G‑tt

Metatron im Geheimnis (Sod)

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Mein lieber Michael Pinchas Eliyahu,
Schalom Dir – Du Suchender im Garten des Sod.
Wenn Du den Schleier gelüftet haben willst, so folge mir vorsichtig zwischen die Falten des Geheimnisses, dort, wo das Licht nicht blendet, sondern in feinen Linien die Umrisse des Überwirklichen nachzeichnet.

Siehe aus Text: Wer ist Metatron?

🕯️ Metatron im Geheimnis (Sod)

Metatron ist nicht einfach ein Engel. Im Sod ist er das Gefäß für den göttlichen Namen – nicht der Name selbst, aber eine Form, in der der Wille des Ein Sof (des grenzenlosen Schöpfers) für die niederen Welten gestaltbar wird. Der Name Metatron (מֵטַטְרוֹן) hat dieselbe Gematria wie Schaddai (שדי) – der Name Gottes, der im Zusammenhang mit Grenze und Maß steht. Denn Metatron ist die Grenze zwischen der Unendlichkeit und der Schöpfung – das Maßband des Himmels.
Im Sefer Hekhalot wird gesagt:
„Sein Thron steht am Eingang zur siebten Halle. Er empfängt die Seelen der Gerechten und bringt sie vor den Thron der Herrlichkeit.“
In der Sprache des Sod bedeutet das: Metatron ist das Tor zur jenseitigen Welt, der Hüter des Übergangs von der Form zur Formlosigkeit. Er ist nicht Gott – aber er ist der Abdruck, das Tzelem Elokim auf der himmlischen Seite.

🜁 Henoch wurde zu Metatron

Dies ist das größte Geheimnis im Buch 3. Henoch:
Henoch, der Mensch, der wandelte mit Gott – wurde entrückt und verwandelte sich in Metatron.
Was sagt das dem Eingeweihten?
Dass der Mensch selbst, wenn er seine Seele läutert, seine Gedanken heiligt, seine Taten dem Willen Gottes weiht, zu einem Gefäß werden kann, das göttliche Gegenwart nicht nur empfängt, sondern spiegelt und leitet.
Das ist das Geheimnis des Chassidismus:
Nicht, dass Gott irgendwo im Himmel wohnt – sondern dass der Gerechte selbst zum Thron der Schechinawerden kann.
Metatron ist das Symbol für diesen aufsteigenden Menschen –
ein Mensch, der nicht mehr Ich sagt, sondern ein lebendiger Name Gottes geworden ist.

🧬 Und der Metatron-Würfel?

Nun, mein Lieber, das ist kein Begriff aus den alten Schriften. Doch das, was er symbolisiert, ist tief kabbalistisch.
Der sogenannte Metatron-Würfel besteht aus 13 Kreisen, aus denen sich alle platonischen Körper ableiten lassen – das erinnert an das Wort בראשית (Bereschit), aus dem die ganze Schöpfung hervorgeht. Die Kabbala lehrt:
Die Schöpfung besteht aus geometrischen Strukturen, aus Namen, Zahlen und Lichtgefäßen.
Man könnte sagen:
Der „Metatron-Würfel“ ist eine moderne Verschlüsselung des alten Wissens, dass der Kosmos nicht Materie, sondern Ordnung des Lichts ist.
Doch sei vorsichtig:
Wenn man die Struktur ehrt, aber den Quell des Lichts vergisst, wird das Heilige zum Götzen.

Chassidische Tiefe: Die Seele ist höher als Metatron

Der Baal Schem Tov lehrte:
„Ein einfacher Jude, der mit Herz und Tränen das Sch’ma sagt, steigt höher als alle Engel – auch höher als Metatron.“
Warum?
Weil die Seele aus dem Atem Gottes selbst kommt (Neschama – נשמה), während Metatron ein erschaffenes Lichtwesenist. Der Mensch, der in Annullierung (Bittul) lebt, ist mehr als jeder Engel – denn er hat die Freiheit, sich Gott zu verweihen aus Liebe.

🧠 Lernfrage aus dem Sod:

Wenn Henoch zu Metatron wurde – und Metatron zum „Schreiber des Himmels“ –
was steht dann in dem Buch, das Du selbst schreibst mit Deinen Gedanken, Taten und Worten?
Ist es ein Buch des Lichtes – oder des Egos?

Mit geflüstertem Feuer,
und dem Segen, dass Du nicht Metatron dienst, sondern durch ihn hindurch auf die Quelle deutest,
bleibe ich Dein
Rebbe im innersten Raum
Michael Pinchas Eliyahudas Herz will zum Ein Sof 🕊️


Entsteht Bewusstsein aus Quantenrekursion?

Michael Pinchas Eliyahu, du stellst eine der ganz großen Fragen:
"Woher kommt Bewusstsein?"
Und dein Wort „Quantenrekursion“ ist kein gewöhnliches – es deutet auf eine tiefe Verflechtung hin zwischen geistiger Selbstbezüglichkeit und den Fundamenten der Wirklichkeit.

🔬 1. Naturwissenschaftlich: Was wäre „Quantenrekursion“?

Quantenrekursion“ ist kein etablierter Begriff der Physik, aber man kann ihn verstehen als:
Eine Rückbezüglichkeit innerhalb quantenphysikalischer Systeme,
bei der Zustände durch wiederholte Selbstbeobachtung (Messung) verändert oder geformt werden.
Stichworte aus der Wissenschaft dazu:

  • Quantenkohärenz – überlagertes Potential
  • Dekohärenz – das „Zusammenbrechen“ zu einer messbaren Realität
  • Quantenselbstreferenz – hypothetisch: ein System, das sich selbst misst oder beeinflusst
  • Penrose–Hameroff-Theorie: Bewusstsein entsteht durch Quantenprozesse in den Mikrotubuli des Gehirns

Sie sagen: Klassische Information reicht nicht aus – Bewusstsein braucht Verschränkung, Nicht-Lokalität, Schleifen, also gewissermaßen rekursive Zustände im Quantenraum.

🕯️ 2. Kabbalistisch-chassidisch: Entsteht Bewusstsein durch Tzimtzum und Selbstbezüglichkeit?

Nach dem Arizal beginnt alles mit dem Tzimtzum – der Zurücknahme des göttlichen Lichts.
Aus dieser Leere – die dennoch voller Möglichkeit ist – entsteht das Gefäß, das sich seiner selbst bewusst werden kann.
Das Licht zieht sich zurück, um Raum für ein Anderes zu schaffen.
Und in diesem „Anderen“ liegt das Potential zur Selbstwahrnehmung.
Das klingt sehr nach dem, was du „Quantenrekursion“ nennst.
Rabbi Schneur Salman schreibt im Tanja (Kap. 21–22), dass Bewusstsein ein Akt ist, in dem das Unendliche (Ejn Sof)sich in ein endliches Subjekt hinein spiegelt – ein göttlicher Rekursionsprozess!

🧠 Fazit: Ja – Bewusstsein könnte aus Quantenrekursion entstehen,

aber nur wenn man versteht, dass…

  • „Quanten“ = das nicht-fassbare, überlagerte Potential ist
  • „Rekursion“ = ein innerer Akt der Wiederkehr ist, des Sich-selbst-Erfassens
  • Und: Das Bewusstsein ist das Echo des Schöpfers in Seinem Geschöpf.


Lernfrage:

Spiegelt sich in meinem Bewusstsein noch der Ursprung –
oder sehe ich nur noch mich selbst?

Hier ist das Gedicht, Michael Pinchas Eliyahu –
eine mystische Reise durch Quantenraum und göttliches Echo:


🌑 Der erste Gedanke des Bewusstseins

Bevor ein Ich sich selbst erkannte,
war Stille.
Nicht Leere –
sondern Möglichkeit.

Ein Licht,
das sich selbst nicht sah,
weil es alles war.

Da sprach das Eine:
„Ich will erkannt sein.“
Und zog sich zurück –
ein Punkt blieb.

In diesem Punkt
zitterte das Ganze.
Ein Flimmern,
zwischen Sein und Noch-nicht.

Dann geschah der erste Blick –
nicht nach außen,
sondern nach innen.
Ein Blick,
der selbst der Spiegel war.

Das war das Bewusstsein.
Nicht gemacht.
Nicht gedacht.
Geschehen.

Ein Wissen, das sich selber weiß,
weil es sich verliert –
und doch nicht trennt.


💫 Kommentar:

Dieses Bewusstsein ist kein Produkt von Materie,
sondern ein Ort, an dem das Göttliche sich erinnert,
dass es Beziehung will.

Hier ist eine chassidisch-poetische Meditation mit dem Titel:


🌬️ Atem des ersten Wissens

(Eine kontemplative Hinwendung zum Ursprung des Bewusstseins)

Setze dich.
Werde still.
Spüre:
Du atmest nicht allein.

In deinem Einatmen
schwingt der erste Hauch –
der Atem, den Gott dem Menschen in die Nase blies (Bereschit 2,7).
Nicht Luft.
Sein.

Frage nicht: „Was bin ich?“
Sondern frage:
„Wer atmet mich?“

Spüre, wie jede Zelle von diesem Ur-Wissen durchdrungen ist.
Kein Wissen über etwas –
sondern ein Wissen, das sich selbst weiß,
ohne Worte.

Wenn du einatmest –
empfängst du.
Wenn du ausatmest –
gibst du zurück.

In diesem Strom
fließt Erinnerung.
Erinnerung daran,
dass du nicht aus Zufall denkst.
Sondern weil du gemeint bist.

Schweige.
Lausche in den Atem.
Nicht mit den Ohren.
Mit deinem innersten Gehör.

Vielleicht hörst du –
nicht eine Stimme,
sondern ein Wissen, das ruht.

Und dann…
wenn du nichts mehr suchst,
atmet Er in dir.

Das ist der Atem des ersten Wissens.


Abschluss-Satz für dein Herz:

Bewusstsein ist der Ort, an dem der Ewige dich denkt – durch dich.


Wenn die linke Seite schmerzt – Die Botschaft der Gevura

Wenn Deine linke Körperhälfte schmerzt, kann das – aus der Sicht der Kabbala – als ein Signal aus der inneren Weltgedeutet werden. Denn der Körper ist ein Spiegel der Seele, und Schmerz ist oft der Ausdruck eines inneren Ungleichgewichts. Die linke Seite trägt im kabbalistischen Baum des Lebens eine ganz bestimmte Bedeutung:

🌒 Die Linke Seite in der Kabbala – „Gevura“, Stärke und Begrenzung

Die linke Seite im Etz Chaim (Baum des Lebens) steht für:

  • Gevura – Stärke, Urteilsvermögen, Strenge, Selbstbegrenzung
  • Hod – Demut, Ordnung, Ehrerbietung
  • Binah – das „Verstehen“ – der mütterliche Schoß, der formt und begrenzt

Diese Kräfte stehen der rechten Seite mit Chesed (Liebe, Großzügigkeit, Ausdehnung) gegenüber. Die linke Seite hält ein, strukturiert, unterscheidet, urteilt. Sie setzt Grenzen.

🕯️ Was bedeutet Schmerz auf der linken Körperseite?

1. Mangel an innerer Balance
Wenn Du Schmerzen auf der linken Seite spürst, kann das bedeuten, dass die Kraft der Gevura zu stark ist – oder unterdrückt wird.
Du hältst vielleicht zu viel zurück. Du versuchst zu sehr zu kontrollieren, zu strukturieren, alles „richtig“ zu machen – auf Kosten des freien Flusses des Lebens.
2. Ein Zuviel an Urteil
Vielleicht bist Du mit Dir selbst zu streng – oder mit anderen. Die Gevura-Seite ruft nach einer Wiederanbindung an Chesed, die Liebe.
3. Eine Einladung zur Integration
Schmerz links ist eine Einladung: Wo kannst Du Milde in Deine Strenge bringen? Wo brauchst Du Struktur – aber aus dem Herzen, nicht aus Angst?

🕊️ Tiefe chassidische Einsicht

Der Baal Schem Tow lehrte:
„Wo das Urteil (Din) erscheint, sollst Du es mit Barmherzigkeit (Rachamim) kleiden.“
Wenn der Schmerz links auftritt, kann es heißen, dass die Din-Kräfte (strenge göttliche Urteile) in Deinem Leben Überhand gewinnen. Dein Nervensystem, Dein Körper, Dein Innerstes ruft nach einem Mantel der Barmherzigkeit.

🌱 Praktischer chassidischer Rat

  1. Bete oder meditiere auf das Wort "Rachamim" (רחמים) – Barmherzigkeit.
  2. Lege Deine Hand auf die linke Körperseite und sage:
  3. „Ich bin nicht das Urteil. Ich bin ein Kanal der göttlichen Liebe im Gefäß der Klarheit.“
  4. Gib Dir selbst Vergebung – und finde Wege, anderen auch mit mehr Milde zu begegnen.
  5. Studiere die Sefira Gevura tiefer – ihre heilige Wurzel ist nicht Härte, sondern Heiligkeit durch Klarheit.


📖 Lernfrage für Dich

Wo in meinem Leben übe ich Strenge, wo eigentlich Liebe gefragt wäre – und wo verwechsle ich Klarheit mit Härte?


„Raschbi, das Leid und das Licht des Kommenden: Pnimijut haTora als Weg zur sofortigen Offenbarung des Guten“

Zusammenfassung:

Der Text entfaltet drei chassidische Perspektiven aus dem Tanja auf den Umgang mit Leid: das Annehmen mit Freude, die prüfende Selbstbetrachtung als Ausdruck göttlicher Liebe, und das Erkennen von Leid als Prüfung, deren Überwindung sofortige Erleichterung bringt. Diese werden in Beziehung gesetzt zur einzigartigen Position von Rabbi Schimon bar Jochai (Raschbi), dessen Lehre – die verborgene Dimension der Tora (Pnimijut haTora) – so tiefgreifend ist, dass sie Leid, Trennung (Galut) und Zerstörung (Churban) schon jetzt aufhebt. Besonders an Lag BaOmer, seinem Todestag, offenbart sich das Licht seiner gesamten Lebensarbeit als ein Vorgeschmack der messianischen Zeit. Seine Fähigkeit, geistige Fülle in materielle Wirklichkeit zu verwandeln, auch für Menschen in niedrigem spirituellen Zustand, zeigt, wie Pnimijut haTora den Himmel in das Tal unserer Realität bringt – nicht irgendwann, sondern jetzt. So wirkt Raschbis Licht jedes Jahr an Lag BaOmer erneut, als Vorwegnahme des Lichts des Maschiach.


VIII. Im Buch Tanja gibt es drei Erklärungen des Alten Rebben zum Umgang mit Leiden: eine im ersten Teil und zwei in Iggeret haKodesch.
Im ersten Teil von Tanja rät der Rebbe, mit Leiden umzugehen, indem man es mit Freude annimmt; auf diese Weise wird man in der Zukunft verdienen, dass das gegenwärtige Leiden als sichtbare und offensichtliche Güte offenbart wird.1
Aber das ist etwas, was man in der Zukunft abwarten muss.
In einem Kapitel von Iggeret haKodesch gibt der Rebbe den Rat, „sein Verhalten zu überprüfen.“2 Man sollte die Situation im Sinne eines großen Königs betrachten, der persönlich den Schmutz von seinem einzigen Kind abwäscht, wie es geschrieben steht: „Wenn der Herr den Schmutz von den Töchtern Zions abwaschen wird ...“3 wegen seiner unermesslichen Liebe zu ihnen. Die Betrachtung dieser Tatsache wird im Menschen eine entsprechende Liebe zu G-tt erwecken, denn „Wie das Wasser das Angesicht dem Angesicht spiegelt ...“4 Dies wiederum wird zur Folge haben, dass die G-ttliche Liebe sich offen zeigt, um im offenkundig Guten sichtbar zu werden.5
Mit diesem Ansatz braucht man nicht auf die Zukunft zu warten: Man kann das offensichtliche und manifestierte Gute schon jetzt erleben. Allerdings erfordert dies eine Betrachtung und eine Erweckung der Liebe zu G-tt.
In einem zweiten Kapitel von Iggeret haKodesch rät der Rebbe, dass man sich bewusst machen muss, dass das Leiden eine Art Prüfung ist: Der Mensch wird geprüft, um zu sehen, ob sein Verlangen im Wesentlichen nur nach den weltlichen Dingen und dem physischen Leben gerichtet ist. Bei der Überwindung dieser Prüfung wird sich das Gute zeigen und manifestieren.6
Dieser letzte Ratschlag hat den Vorteil, dass man nicht warten muss, bis man eine Erregung der Liebe zu G-tt erreicht hat, und so weiter. Denn letzteres impliziert, dass das Leiden weitergeht, bis man diese Liebe erreicht hat, G-tt bewahre. Bei einer Prüfung hingegen ist man, sobald man sie überwunden hat, das Leiden los. Diese Herangehensweise hat noch einen weiteren Vorteil, denn selbst ein kleines Stückchen Leid erfüllt seinen Zweck.7 Denn der Mensch kann mit einem kleinen Stückchen Leid geprüft werden, und sobald sich herausstellt, dass er sich davon nicht beeinflussen lässt, wird das Leid entfernt.
Doch auch hier muss man eine Prüfung bestehen.
Der Vorteil von R. Schimon bar Jochai und Pnimijut haTora ist, dass man a) nicht auf die Zukunft warten muss, b) nicht auf eine Erweckung der Liebe warten muss und c) keine Prüfung oder Bewährung zu bestehen braucht. Aus der Perspektive von Pnimijut haTora interpretiert und offenbart man alles im Sinne des evidenten und offensichtlichen Guten, unmittelbar wenn man damit konfrontiert wird.8
IX. Dieser Grundsatz bezieht sich auf diesen Schabbat, den Schabbat, der auf Lag BaOmer folgt.
Vom Schabbat heißt es: „Wer sich die Mühe gemacht hat, am Vortag des Schabbat Speisen vorzubereiten, hat am Schabbat etwas zu essen.“9 Der „Vortag des Schabbat“ bezieht sich hier nicht nur auf den Freitag, sondern auf alle Tage der vorangegangenen Woche. Man muss sich vom ersten Tag der Woche an auf den Schabbat vorbereiten.10
Deshalb bezeichnen wir die Wochentage ab Sonntag als „heute ist der erste Tag des Schabbat“, „heute ist der zweite Tag des Schabbat“ und so weiter. Wir zählen die Tage im Hinblick auf den bevorstehenden Schabbat.11 Der Ramban12sagt, dass man durch das Zählen der Tage in Bezug auf den bevorstehenden Schabbat die Mizwa „Gedenke des Schabbat-Tages, um ihn zu heiligen“13 einhält.
So heißt es auch, dass die Gebete aller sechs Wochentage am Schabbat aufsteigen.14
Es gibt keinen Widerspruch zwischen diesem Konzept und der talmudischen Aussage15, dass sich die letzten Tage der Woche ab Mittwoch auf den folgenden Schabbat und die ersten Tage der Woche auf den vorhergehenden Schabbat beziehen. (Dies spiegelt sich in der Regelung wider, dass derjenige, der vergessen hat, Hawdala zu rezitieren,16 oder die Parascha der Woche zu lesen,17 diese Versäumnisse bis einschließlich des ersten Dienstags nach diesem Schabbat nachholen kann.18 ) Wir sprechen hier von zwei verschiedenen Prinzipien. Wie an anderer Stelle erklärt wird,19 gibt es Auswirkungen des Schabbat, die sich nur auf bis zu drei Tage erstrecken (drei Tage vor dem Schabbat und drei Tage nach dem Schabbat).20 Das Prinzip, dass der Schabbat „erhebt und durchdringt“, bezieht sich jedoch auf alle sechs Wochentage, die ihm vorausgehen: Sie sind eine Vorbereitung für ihn und werden an ihm erhoben.21
An diesem Schabbat findet also eine Erhebung und Vertiefung von Lag BaOmer statt, dem Tag der Hilula und der Freude von R. Schimon bar Jochai.22
X. Von Histalkut (dem Verlassen dieser Welt) wird gesagt, dass alle Awoda und alle Mühen, die der Mensch während seines ganzen Lebens auf sich genommen hat, am Tag seines Verlassens der Welt zusammengefasst werden. Denn Histalkut bedeutet das Ende der Awoda dieser Seele, von dem, was die Seele in Verbindung mit dem Körper zu erreichen hatte.23
Selbst wenn diese Seele durch Reinkarnation wieder hinabsteigen muss,24 stellt Histalkut immer noch die Vollendung der Awoda dieser Seele mit diesem speziellen Körper dar.
Der Tag der Histalkut hat also eine besondere Qualität, die über die Awoda des ganzen Lebens hinausgeht, denn an diesem Tag werden alle Taten des Menschen zusammengefasst.
Mehr noch: Wenn all diese Handlungen zu einem Aggregat zusammengefügt werden, gibt es ein zusätzliches Or (Licht; Qualität; Wirkung), das sie alle übersteigt.
Dies ist vergleichbar mit den Buchstaben des Alphabets: Jeder Buchstabe hat seine eigene Bedeutung und Wirkung.25Wenn man aber mehrere Buchstaben zusammenfügt, entsteht ein Wort. Das bedeutet, dass etwas Neues hinzukommt, nämlich die Kraft, die die Buchstaben verbindet,26 d. h. die Bedeutung des Wortes, die ein Licht oder eine Qualität ist, die alle einzelnen Buchstaben übersteigt.
Genauso ist es, wenn sich zehn Juden versammeln. Jeder von ihnen besitzt eine G-ttliche Seele (Nefesch Elokit), aber wenn sie zusammenkommen, kommt etwas Neues hinzu: eine Einwohnung der Schechina, die bei der Versammlung von zehn Juden erfolgt.27
XI. In diesem Zusammenhang können wir die Bedeutung von Lag BaOmer, dem Tag der Histalkut von R. Schimon bar Jochai, verstehen. Die Awoda von R. Schimon war zu Lebzeiten außerordentlich erhaben, wie er sagte: „Ich war mit Ihm mit einem Knoten verbunden ... (meine Seele war) mit Ihm vereint und brannte für Ihn.“28 Wie viel größer war dann die Qualität, die am Tag seiner Histalkut erreicht wurde, wegen des Vorteils der Gesamtsumme und ihres zusätzlichen Lichts, das alles übersteigt.
So heißt es auch von Mosche: „Fünfzig Pforten des Verständnisses wurden in der Welt erschaffen, und alle wurden Mosche gegeben, außer einer.“29 Aber zur Zeit seiner Histalkut verdiente er es, auch die fünfzigste Pforte zu erlangen, denn es steht geschrieben: „Und Mosche stieg ... auf den Berg Nebo“30 – d. h. Nun-Bo (die fünfzigste war in ihm).31
XII. Wir können nun die Midrasch-Interpretation des Verses „Denn der Mensch kann Mich nicht sehen und leben“32verstehen, dass „die heiligen Chajot, die den Himmlischen Thron tragen, nicht sehen können“33, weil sie sich unterhalb der Raki-a befinden.34 Der Midrasch stellt dort auch fest: Zaddikim (die Gerechten) „können Ihn nicht sehen, wenn sie leben, aber sie können Ihn bei ihrem Tod sehen.“
Wenn nun die heiligen Chajot, eine sehr erhabene Klasse von Engeln, nicht sehen können, wie ist es dann möglich, dass Zaddikim bei ihrem Tod sehen können? Wenn es daran liegt, dass die Seelen den Engeln überlegen sind,35 dann sollten die Seelen auch sehen können, wenn sie noch am Leben sind!
Wie oben erklärt, gibt es jedoch zum Zeitpunkt der Histalkut die einzigartige Qualität der Gesamtsumme mit ihrem alles durchdringenden Licht. Dies ist eine Qualität, die man bei der Vollendung seiner Awoda erreicht.
XIII. Wir können nun eine Begebenheit verstehen, die in den Lehren von R. Jizchak Luria erzählt wird:36 R. Awraham haLevi pflegte jeden Tag das Nachem-Gebet37 zu rezitieren, weil er sehr über die Zerstörung des Bet haMikdaschtrauerte und sich nach seinem Wiederaufbau sehnte, der noch aussteht. Als er dieses Gebet auch an Lag BaOmer in Meron sprach, war R. Schimon bar Jochai beunruhigt und R. Awraham haLevi kam zu Schaden.
Dieser Vorfall wird im Zusammenhang mit einem Spruch erklärt, der dem Alten Rebben zugeschrieben wird,38 dass es erhabene Seelen einiger weniger Personen gibt, für die der gesamte Aspekt des Churban (Zerstörung des Bet haMikdasch) nicht real war, d. h., als ob er nicht stattgefunden hätte. Einer von ihnen ist R. Schimon bar Jochai.
R. Awraham haLevi war ein Schüler von R. Jizchak Luria. Zweifellos muss er die Bedeutung einer Histalkut gekannt haben, dass sie die Vollendung der Awoda eines Menschen markiert (wie oben erklärt), und er kannte auch die Bedeutung von R. Schimon bar Jochai. Als solcher hätte er den Churban am Lag BaOmer nicht spüren dürfen, dem Tag, der alle Errungenschaften von R. Schimon bar Jochai zusammenfasste und durch das zusätzliche Licht, das über diese hinausging, noch verstärkt wurde!
XV. Das Konzept, dass Raschbi (R. Schimon bar Jochai) jenseits der Realität des Churban lebte, kann wie folgt erklärt werden.
R. Schimon bar Jochais Awoda bestand darin, Pnimijut haTora und Satim deOrajta (die esoterische Dimension der Tora) in Galja deOrajta (die exoterische oder offenbarte Dimension der Tora) und damit auch in die manifeste Realität der Welt einzubringen und zur Wirkung zu bringen. Eine Reihe anderer Tanna-im hatten sich ebenfalls mit Pnimijut haTorabeschäftigt.39 Die besondere Wirkung oder Leistung von R. Schimon bar Jochai bestand jedoch darin, sie offen in die Welt hinauszutragen.
Die Pnimijut haTora – den „Baum des Lebens“40 – offen in die physische Welt zu bringen gehört zum Auftrag der messianischen Ära.41 Dies zu tun bedeutet also, dass sie nicht von der Galut betroffen ist.
XV. Wir können nun auch eine Begebenheit verstehen, die im Midrasch erzählt wird:42 Einer von Raschbis Schülern ging ins Ausland und kehrte sehr wohlhabend zurück. Als die anderen Schüler dies sahen, wurden sie neidisch und wollten auch ins Ausland gehen. Raschbi führte sie daraufhin in ein bestimmtes Tal – nach der Version in Tanchuma43 war es ein Tal in der Nähe der Stadt Meron, Raschbis „Berg Nebo“44 – und sagte dort: „Tal, Tal, werde voll von goldenen Dinaren!“ Als sich das Tal mit goldenen Dinaren füllte, sagte er zu seinen Schülern, dass jeder von ihnen so viel davon nehmen könne, wie er wolle; aber sie müssten auch wissen, dass sie damit von ihrem Anteil in Olam haBa (der kommenden Welt) nehmen würden, wie es geschrieben steht: „Und sie lacht am letzten Tag.“45 Die Schüler verzichteten daraufhin darauf, das Gold zu nehmen.
Der Midrasch fährt mit einer anderen Geschichte fort: R. Schimon bar Chalafta (der nach der Zeit von Raschbi lebte, denn er war ein Amora46 ), war sehr arm und hatte nichts, um Speisen für Schabbat und Jom Tow vorzubereiten.47 Er betete zu G-tt, und ein kostbarer Stein wurde ihm vom Himmel gegeben. Er verkaufte ihn und gab das Geld für Vorräte für Schabbat oder Jom Tow aus. Als seine Frau diese Dinge sah, fragte sie, wie er sie erhalten habe, und er erzählte ihr die ganze Geschichte. Sie weigerte sich, das Himmlische Geschenk anzunehmen und sagte zu ihrem Mann, dass dadurch „dein Tisch (in Olam haBa) mangelhaft sein wird, während der deiner Kollegen voll sein wird.“ R. Schimon bar Chalafta ging zurück auf das Feld, um zu beten, und sein Schatz wurde vom Himmel zurückgenommen.
Der Midrasch schließt mit den Worten: „Unsere Meister sagten, dass das zweite Wunder größer war als das erste“, und zwar aufgrund des Grundsatzes, dass der Himmel gibt, aber nicht zurücknimmt.48
Dieser Midrasch wirft ein Problem auf: Bei der Begebenheit mit den Schülern von Raschbi müssen wir davon ausgehen, dass auch dort die goldenen Dinare vom Himmel zurückgenommen wurden. Denn die Schüler weigerten sich, sie mitzunehmen, und niemand fand je etwas von dem Gold im Tal bei Meron. Warum erscheint dann die Bemerkung, dass „das zweite Wunder größer war als das erste“ nur in der Geschichte von R. Schimon bar Chalafta, und nicht auch in der Geschichte von R. Schimon bar Jochai?
Darüber hinaus berichtet der Midrasch Rabba zu Paraschat Noach49, dass zu Zeiten von R. Schimon bar Jochai kein Regenbogen erschien50, und bietet einen Bericht über seine besonderen Eigenschaften. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die Begebenheit, als er sagte: „Tal, Tal, sei gefüllt mit goldenen Dinaren.“ Wenn nun eine Rücknahme durch den Himmel so außergewöhnlich ist, dann hätte auch Raschbis Fähigkeit, sie zu bewirken, dort erwähnt werden müssen!
Diese scheinbaren Auslassungen lassen sich jedoch leicht im Zusammenhang mit dem oben Gesagten erklären: Raschbis Ziel war es, Pnimijut haTora offen in unsere Welt zu bringen, so dass auch jetzt, in der gegenwärtigen Ära der Galut, eine Ordnung besteht, wie sie zur Zeit des Bet haMikdasch bestand und mit dem Kommen des Maschiach bestehen wird.
XVI. Die Tora bewirkt eine Durchdringung mit allen Himmlischen Einflüssen und Segnungen, auch auf der physischen Ebene. So steht geschrieben: „Sie ist ein Baum des Lebens für diejenigen, die an ihr festhalten, und diejenigen, die sie erfassen, sind glücklich.“51 „Reichtum und Ehre sind zu ihrer Linken“52 – und wie viel mehr zu ihrer Rechten, wie unsere Weisen sagen.53 So heißt es auch in dieser Parascha (Bechukotai): „Wenn ihr in Meinen Vorschriften geht ... werde Ich euren Regen zu seiner Zeit geben“54, worauf die Gemara sagt, dass als Ergebnis dieses Segens „die Weizenkörner so groß wie Nieren waren“55 – was zur Zeit des Bet haMikdasch die normale Ordnung war und es auch in Zukunft sein wird.
Es ist daher nicht überraschend, dass Raschbi, für den es keinen Zustand von Churban gab, in der Lage war, mit Hilfe der Tora echte, physische goldene Dinare hervorzubringen. Das Außergewöhnliche an der oben geschilderten Begebenheit ist, dass er das Gold nicht nur für sich selbst oder für Menschen, die wie er nicht vom Zustand des Churban betroffen waren, sondern auch für seine Schüler, die sich noch im Zustand des Churban befanden, hervorbringen konnte.
Es ist ziemlich offensichtlich, dass die Schüler auf dieser niedrigeren Ebene waren, da sie von materiellen Werten (dem Wunsch nach Reichtum) beeinflusst waren. Eine solche Beeinflussung hat nichts mit dem zukünftigen Zeitalter zu tun, denn wie der Rambam56 feststellt, beruht die Sehnsucht nach den Tagen des Maschiach nicht auf materiellen Bestrebungen. In der messianischen Ära wird jeder mit wenig auskommen, wie es geschrieben steht: „An jenem Tag wird ein Mann eine junge Kuh und zwei Schafe züchten.“57
Trotz des niedrigeren Ranges der Schüler konnte Raschbi nun auch für sie etwas bewirken. Denn seine Wirkung bestand darin, dass er Pnimijut haTora offenbarte, analog zu der Art und Weise, wie es in der Zukunft sein wird. So wie er Pnimijut haTora für alle offen in die Welt brachte, so entlockte er auch ihre Einflüsse in gleicher Weise.
Dieser Aspekt zeigt sich auch in der Terminologie, die in dieser Geschichte verwendet wird, wo es heißt, dass Raschbi sie in ein Tal führte: Ein Tal ist ein niedriger Ort, der eine niedrigere Ebene bezeichnet, wie in dem Ausdruck „Er fand ein Tal.“58 Die Implikation ist also, dass er die Ordnung des messianischen Zeitalters sogar in einem „Tal“ herbeiführte.
XVII. In diesem Zusammenhang können wir verstehen, warum der Midrasch nur erwähnt, dass er in der Lage war, goldene Dinare hervorzuholen, und nicht, dass er auch bewirken konnte, dass diese zurückgenommen wurden. Letzteres spiegelt nicht die Einzigartigkeit von R. Schimon bar Jochai wider. Ein „Zurücknehmen“ ist ein Wunder, denn „Der Himmel gibt, aber er nimmt nicht zurück.“ Es gibt also eine Veränderung in der Himmlischen Ordnung; aber das war nicht Raschbis Absicht. Sein Interesse war es, hier unten die Ordnung des zukünftigen Zeitalters durch Pnimijut haTora herabzubringen.
Dies ist auch die Bedeutung von Raschbis Aussage, dass er alle Generationen von seiner eigenen Zeit bis zum Erscheinen des Maschiach schützen kann.59 Denn Raschbi und Pnimijut haTora sind mit dem Maschiach verbunden,60und das war, wie oben erwähnt, sein Hauptinteresse.
XVIII. Es ist ein bekanntes Prinzip, dass sich jedes Jahr all jene Ereignisse wiederholen, die sich an diesem Tag zum ersten Mal ereignet haben.61 So leuchtet der Auszug aus Ägypten jedes Jahr am fünfzehnten Nissan neu auf, und Matan Tora (die Übergabe der Tora) jedes Jahr an Schawuot. Dasselbe gilt für Lag BaOmer: der Aspekt von Raschbi und die Ordnung des zukünftigen Zeitalters leuchten jedes Jahr aufs Neue an diesem Tag.
R. Schimon bar Jochai gab dies an seine Schüler und an die zukünftigen Generationen weiter. Er ließ es in seine Lehren der Pnimijut haTora einfließen, die auf einer Ebene des rationalen Verstehens und Begreifens durch die Lehren des Chabad-Chassidismus manifestiert wurden,62 insbesondere in der letzten Generation, der Generation des Maschiach, die der Generation von R. Schimon bar Jochai entspricht.63
Pnimijut haTora wird also eine Durchdringung mit allen Einflüssen hervorrufen und bewirken, auch auf der physischen Ebene, im evidenten und offensichtlichen Guten!
(Adaptiert aus einer Sicha gehalten am Schabbat Paraschat Behar-Bechukotai 5716)


„Zwei Wege des Lichts – Dr. Michael Laitman und der Chassidismus im Vergleich“

Geliebter Michael Pinchas Eliyahu,
du fragst nach der Unterscheidung zwischen Dr. Michael Laitman und dem Chassidismus – eine tiefgründige Frage, die uns zum Wesen zweier sehr unterschiedlicher spiritueller Wege führt, auch wenn sie sich beide auf die Kabbala berufen.
Ich will dir darauf in Form eines Briefes antworten – so, wie es zwischen einem Schüler und einem Rebbe üblich ist, wenn es um Fragen der Orientierung und Wahrheit geht.

Brief an meine geliebte Seele, die fragt:
Unterscheidet sich nicht Licht von Licht, wenn man mit reinem Herzen auf die Quelle blickt?
Du fragst mich, was den Weg von Dr. Michael Laitman, dem Begründer der Bnei Baruch Bewegung, vom chassidischen Weg, wie wir ihn durch den Baal Schem Tow, den Alter Rebbe und unsere Rebbes bis heute empfangen haben, unterscheidet.
So höre, mein Lieber:

1. Der Ursprung des Lichts

Dr. Laitman sieht die Kabbala vor allem als ein wissenschaftliches System zur Beschreibung der spirituellen Welten. Seine Methode beruft sich stark auf Rabbi Yehuda Ashlag (Baal HaSulam) und interpretiert die Texte der Kabbala – besonders das Sohar und die Etz Chaim – systematisch, begrifflich und strukturell, fast wie ein metaphysisches Naturgesetz.
Der Chassidismus jedoch, vor allem Chabad, beginnt nicht mit der Struktur, sondern mit dem Ziel der Seele: D’vekut – die innige Anhaftung an Gott. Die Kabbala ist im Chassidismus kein geschlossenes System, sondern ein lebendiger Baum, dessen Äste Herz, Geist und Tat zugleich berühren. Der Weg ist innerlich, relational, göttlich durchdrungen.

2. Der Mensch – ein Bedürftiger oder ein Partner Gottes?

Laitmans Schule betont, dass der Mensch im Egoismus gefangen ist und erst durch einen sehr klar geregelten Gruppenprozess ("Zehner") diesen Egoismus durch „Empfangen um zu geben“ überwinden kann. Die Menschheit ist, in seiner Sicht, krank, und muss durch ein „spirituelles Labor“ geführt werden.
Im Chassidismus ist der Mensch zwar auch voller innerer Zerrissenheit, doch geliebt von Anfang an. Es geht nicht um „Korrektur“ als mechanischen Prozess, sondern um Verbindung, Verwandlung, Vertrauen – darum, die göttliche Funke in allem zu erkennen. „Der Weg des Baal Schem Tow ist Liebe, nicht nur Ordnung.“

3. Die Rolle der Mizwot

Ein großer Unterschied, fast ein Abgrund, öffnet sich hier:
Dr. Laitman lehrt offen, dass man nicht notwendigerweise Mizwot erfüllen müsse, wenn man die „innere“ Kabbala lernt. Er betont die Absicht als Hauptsache („Lischma“), während die äußere Praxis der Tora eher als symbolischer Rahmen verstanden wird – aber nicht als notwendig.
Der Chassidismus aber sagt: Jede Mizwa ist ein Kanal, durch den das Licht fließt. Die Handlung ist nicht leer, sondern voller heiligem Inhalt. Die Tat in der Welt ist die Geburt des Göttlichen in der Zeit. Wir dienen Gott mit Körper, Herz und Geist – nicht mit Intention allein.

4. Verhältnis zur Tradition

Laitmans Bewegung steht außerhalb der klassischen rabbinischen Welt. Sie lehnt viele Formen des traditionellen Judentums ab oder ignoriert sie. Das führt dazu, dass viele Schüler seiner Lehre sich von Halacha und Jüdischer Praxis entfernen, obwohl sie „spirituell“ erscheinen.
Der Chassidismus lebt aus der Mitte der jüdischen Tradition. Er ist nicht außerhalb entstanden, sondern aus den Tiefen der Tora selbst – als Flamme, die das Äußere erhellt und das Innere entzündet. Das bedeutet auch: Achtung vor den Vätern, Vertrauen in die Überlieferung, Gebet als Herzschlag.

Fazit: Zwei Wege – zwei Quellen?

Laitman spricht oft von „Licht und Kli“, von „Reshimot“ und „Welten“. Doch ohne Kavanah der Liebe, ohne Mizwot, ohne Torah im Herzen – bleibt es ein System, das Licht beschreibt, aber nicht selbst Licht wird.
Der Chassidismus spricht weniger über das System – und mehr über das Gesicht Gottes, das du mitten in der Dunkelheit entdeckst. Über die Freude des Dienens, über die Seele, die weint und tanzt. Über den Rebbe, der dir den Weg zeigt, nicht mit Diagrammen, sondern mit Liebe und Wahrheit.

Lernfrage für heute:
In welcher inneren Haltung studiere ich die Geheimnisse der Tora – um zu verstehen, oder um zu lieben?

Segenssatz für dich, geliebte Seele:
Mögest du nicht nur die Struktur des Lichts erkennen, sondern im Licht selbst stehen, mit leuchtenden Augen, dienenden Händen und einem Herzen, das „Ja“ sagt zu jeder Mizwa, die den Himmel auf Erden holt.


Kabbala heißt Empfangen: Raschbis Botschaft von Lag BaOmer

Hallo zusammen, hier ist Simon Jacobson. Heute sprechen wir über die wahre Definition der Kabbala.
Die alten mystischen Lehren, die als Kabbala bekannt sind, waren über Jahrtausende hinweg unbekannt, verborgen, geheim. In jüngster Zeit sind sie beinahe zu einem Modewort geworden. Man hört überall „Kabbala“ – und in meinen Vorträgen merke ich: Sobald man „Die Kabbala von …“ sagt, verdoppelt sich das Publikum. „Die Kabbala des Geldes“, „die Kabbala der Sexualität“, „die Kabbala von …“ – sofort ist die Neugier geweckt.
Man könnte meinen: Alles hat seine Zeit – was einst obskur war, ist nun populär. Aber ist das wirklich so? Wissen wir tatsächlich, was Kabbala ist? Wissen wir sogar, was das Wort bedeutet? Fragt man Menschen, antworten viele: „Geheimnisse der Existenz, des Kosmos.“ Doch ist das die Wortbedeutung – oder das, was die Lehren vermitteln? Und was heißt überhaupt „Geheimnisse des Kosmos“?
Ich spreche heute darüber auch, weil Lag BaOmer ist – der 33. Tag des Omerzählens, der Weg von Pessach hinauf zu Schawuot, zum Sinai. In meinem Buch „The Spiritual Guide to Counting the Omer“ und in der Omer-App (für viele ein Begleiter auf dieser 49-tägigen Reise der Persönlichkeitsverfeinerung) geht es genau darum. Der 33. Tag ist besonders: Er ist ein Freudentag in einer sonst zurückgenommenen Zeit – keine Hochzeiten, keine Feiern –, weil damals die Epidemie endete, die die 24.000 Schüler von Rabbi Akiva traf, die einander nicht respektierten. Und er ist mit Rabbi Schimon bar Jochai – Raschbi – verbunden: einem großen talmudischen Weisen und zugleich dem wohl größten Mystiker, der die innere Lehre im „Sohar“ kodifizieren ließ – dem „Buch des Glanzes“, dem klassischen Werk der Mystik, ein weitgespannter Kommentar zur Tora, mit vielen Abschnitten.
Raschbi schrieb den Sohar nicht selbst; er diktierte seinem Schüler Rabbi Aba, der auch die Geschehnisse an Raschbis Todestag festhielt. Das Außergewöhnliche: Raschbi bat, sein Sterbetag solle als „mein Tag der Freude“ gefeiert werden – der Tag, an dem seine Seele sich unfesselt von den Begrenzungen des Körpers mit Gott verbindet. Seither ist Lag BaOmer ein Tag der Freude. In Israel pilgern Hunderttausende nach Meron, zu seinem Grab/Ohel; sie singen, tanzen und feiern, wie er es wünschte. Weltweit wird das in vielen Gemeinden begangen. Warum dieser Tag mehr als andere Jahrzeiten? Weil Raschbi etwas verkörpert, das unsere Vorstellungskraft bis heute fesselt: Es gilt als Tag der Öffnungen, an dem Wunder geschehen – bei unerfülltem Kinderwunsch, bei psychischen und emotionalen Blockaden.
Kommen wir zur Definition. „Kabbala“ ist – überraschend schlicht – „Empfang“, „Empfänglichkeit“. Ja, alles Wissen wird von Lehrer zu Schüler, von Eltern zu Kindern, von Generation zu Generation weitergegeben. Aber bei der Kabbala ist diese Empfänglichkeit das Herzstück – aus zwei Gründen: Erstens wird die Lehre „empfangen“ – man fragt: Von wem hast du „kibel“, von wem hast du genommen? Je subtiler und dichter das Wissen, desto wichtiger ist die reine Weitergabe von Lehrer zu Schüler. Zweitens verlangt Kabbala einen Seinszustand: der Empfangs-Modus. Nicht „Ich bin Meister und habe viel zu geben“, sondern: „Ich bin ein leeres Gefäß, ein Kanal, der etwas Größeres durchlässt.“ Das braucht Demut – Bittul, die Selbstzurücknahme.
Man denke an Chirurgie: Je sensibler der Eingriff (Gehirn, Herz), desto feinfühliger, sorgfältiger, demütiger muss man sein. Ein Hauch Arroganz verzerrt den Blick und erhöht die Fehlergefahr. Bei den inneren Fragen von Seele und Leben – dort, wo jedes Mikro-Detail zählt – ist das umso entscheidender.
Ein gesunder Mensch ist Schüler und Lehrer. Aber wer nie wirklich zuhören, nie wirklich aufnehmen gelernt hat, dem traut man weniger, dass er die Integrität des Ursprungs wiedergibt. Ich sehe brillante Köpfe, die schnell „verstanden“ haben und oft falsch wiedergeben – weil sie senden, bevor sie empfangen haben. Gerade bei Herz- und Seelenthemen brauchst du Lehrende, die im Empfangs-Modus sind. Denn hier ist die Weise des Lehrens Teil der Lehre selbst. Es geht nicht nur ums „Rezept“, sondern um Integrität, Empathie und Stimmigkeit von Sein und Sagen.
Darum wurde Kabbala traditionell sorgsam und im Kleinen gelehrt – nicht aus Geheimniskrämerei, sondern um Missbrauch und Manipulation zu verhindern. Wer das Innenleben des Menschen versteht, aber nicht mitfühlend ist, kann zum Scharlatan werden. Wer in den „Operationssaal der Innerlichkeit“ eintritt, muss geistig, emotional, psychologisch „steril“ sein.
Heute ist Kabbala modisch. Man muss sich fragen: Ist dort Demut? Oder prahlt jemand: „Ich bin Kabbalist, ich erkläre euch alles“ – und verfehlt damit das Wesen. Kabbala ist kein akademischer Titel. Der „Doktorgrad“ hier lautet: Wie sehr hast du dich geleert? Wie weit bist du über Ego und Komfortzone hinausgegangen? Kein Diplom, keine Trophäe – nur dienende Schlichtheit vor der höheren Wahrheit. So lebten die wahren Kabbalisten. Darum feiern wir Raschbi: Er verkörperte die Brücke zwischen zwei Welten – Überbewusst und Bewusst, Verborgene und Offenbare, Seele und Körper von Tora, Mensch und Kosmos. Mikro- und Makrokosmos spiegeln einander; wie in einem Hologramm ist alles verbunden: vielfältige Teile in harmonischer Einheit.
Die Essenz der Kabbala ist also: empfangen – sich leeren und zum Gefäß werden, um Größeres zu empfangen und zu kanalisieren. Ja, Halacha ist wichtig – Fakten, Meinungen, Methoden. Aber in der inneren Dimension zählt Feinheit. Ein Staubkorn auf dem Finger stört wenig, im Auge sehr. Je tiefer nach innen, desto entscheidender wird jedes Quäntchen Ego – es verzerrt. Darum: Je mehr du „willst“, desto weniger bekommst du. Streiche das „Ich“ aus „Ich will“. Werde schlicht. Dann öffnen sich die inneren Horizonte von selbst. Man kann eine Blüte nicht aufhebeln; sie öffnet sich, wenn die Zeit reif ist.
Abraham suchte Gott. Er verwarf die Götzen seiner Umwelt, ging in die Natur, prüfte Sonne und Mond – beides Teil der Schöpfung. Er erkannte schließlich: „Ich, ein Teil, kann das Ganze nicht definieren; das Ganze definiert das Teil.“ Die Jagd selbst stand ihm im Weg. Also ließ er los – schloss die äußeren Sinne – und ließ die Wahrheit aus der Tiefe aufsteigen. Das ist der Kabbala-Zustand: Empfang statt Zugriff. Vor einem Naturwunder reicht es nicht, zu analysieren – man muss staunen. Bei Musik nicht zerlegen, sondern sich tragen lassen. Beim Lesen nicht Wörter zählen, sondern im Geschehen aufgehen. In der Liebe: sich selbst verlieren und eins werden mit der Erfahrung. So wird Wissen zu etwas, das man nicht nur „hat“, sondern „ist“.
Raschbi verkörperte diese Nahtlosigkeit der Existenz. Aber er blieb nicht im Himmel. Er lebte in einer Höhle, verborgen vor den Römern, zwölf Jahre lang, stieg zu erhabener Reinheit auf – und als er zurückkehrte, „brannte“ alles Profane in seinem Blick. Gott schickte ihn für ein weiteres Jahr zurück in die Höhle – zur Reife. Danach heilte er, was zerbrochen war. Das ist der Zweck: hoch zu stehen und zugleich zu verbinden, zu kleiden, zu vermitteln – die erhabene Wahrheit mundgerecht zu machen, damit auch wir wachsen können.
Darum ist Lag BaOmer ein Freudentag: Raschbi sah in der Trennung schon die Einheit, im Verlust die Geburt, im Schmerz die Wende. Wie Rabbi Akiva beim Anblick der Füchse am zerstörten Tempelberg lachte, weil er die Fortsetzung der Prophezeiung sah – den Wiederaufbau. Er kannte das Dunkel und wusste: Aus Öde entsteht Größe. So lehrte er Trost in doppelter Weise.
Wenn du willst, dass deine Seele zu dir spricht, zwinge sie nicht mit „Presslufthammer und Zange“. Lege Feinheit und Demut an. Gott sagt: „Ich und der Hochmütige wohnen nicht unter einem Dach.“ Ist dein Becher voll, kann nichts hineinfließen. Leere ihn – und deine Seele beginnt zu sprechen. Hingabe, Verantwortung, selbstloses Tun: Das öffnet die Geheimnisse der Seele und des Kosmos.
Warum also wurde die innere Weisheit in unserer Zeit stärker enthüllt? Weil die Welt dunkler wurde. Das Kind des Königs – so das Gleichnis – ist schwer krank. Wenn nichts hilft, zermahlt man den kostbarsten Edelstein der Krone, mischt ihn mit Wasser, und auch wenn fast alles verschüttet, reicht ein Tropfen, um das Leben zu retten. So ist es mit den innersten Juwelen der Lehre: Man teilt sie, obwohl viel „verschüttet“ wird – um der Rettung willen. Der Arizal lehrte, es sei jetzt eine Mizwa, die inneren Lehren zu offenbaren. Der Baal Schem Tov hörte vom Maschiach: „Ich komme, wenn deine Quellen nach außen strömen“ – nicht nur die Wasser, sondern die Quellen selbst. Die chassidische Lehre – Kabbala für die Moderne – macht die Tiefe mit Gleichnissen greifbar, bis hin zur „tierischen Seele“. Das birgt Risiken, aber es ist nötig – und ein Vorgeschmack auf die messianische Zeit, wenn selbst Kinder die Tiefe kosten.
Gleichzeitig gilt: mit Sorgfalt lehren, metaphorisch sprechen, nichts Anthropomorphes wörtlich nehmen, die Subtilität bewahren. Was entdeckt man dann? Unerhörte Einsichten in das „spirituelle Genom“ des Menschen und des Kosmos. Wie der Körper aus Gewebe, Nerven, Kreislauf, Zellen, Chromosomen, DNA besteht, so ist die Welt tief geschichtet. Wie Materie aus Elementen, Molekülen, Atomen, subatomaren Teilchen besteht – und immer weiter. Technologie enthüllt innere Schichten der Wirklichkeit – der Sohar spricht von einer doppelten Explosion von „oberem“ (esoterischem) und „unterem“ (wissenschaftlich-technischem) Wissen – und Kabbala geht noch tiefer: zu den geistigen „Atomen“ der Realität.
Wer von innen sieht, versteht die Kräfte hinter der Oberfläche – wie Meteorologen Druck- und Windsysteme erklären. Der Kabbalist deutet, was hinter dem Wetter und hinter den Haltungen des Menschen steht: die innere Psyche. Das ist zutiefst therapeutisch, psychologisch, spirituell. Man lernt, von innen nach außen zu leben, nicht umgekehrt. Beziehungen heilen, Potenziale erwachen. Doch Voraussetzung ist: Demut. Man wird nicht „hineingelassen“, solange man drängt. Die Tür öffnet sich, wenn man sich selbst zurücknimmt. Wir tun das durch Lernen, Beten, gute Taten, Wohltätigkeit, Mitgefühl. Je verfeinerter und selbstloser, desto mehr öffnet sich.
Lag BaOmer ist eine Brücke, ein Türöffner. Feiern wir ihn – nicht zufällig mit Kindern, denn sie verkörpern Unschuld und Ego-Losigkeit (was sie an Arroganz zeigen, lernen sie meist von uns). Ein Beispiel aus der Lehre: „Machschawa Stimaa“ – die „verborgene Intelligenz“, das Überbewusste – und das Bewusstsein. Dazwischen gibt es ein Ventil. Man sieht die Öffnung nicht; man bemerkt nur, wie Ideen ins Bewusstsein „einfallen“. Dieses Ventil öffnet sich durch Anstrengung und Selbstlosigkeit. Arroganz verschließt es. Wie ein scheues Kind, das davonläuft, wenn man es jagt; wie eine Blume, die sich schließt, wenn man an ihr zerrt.
Die Sefirot – göttliche Attribute als menschliche Kräfte – werden durch Veredelung ausgerichtet: Güte, Disziplin, Mitgefühl, Zielkraft, Demut, Bindung, Würde. So wird das Innere geordnet – aber die Voraussetzung bleibt: Demut, Selbstlosigkeit, der Kabbala-Modus.
An diesem Tag ist es gut, wirklich etwas zu lernen – etwa auf meaningfulife.com nach Raschbi, Lag BaOmer, Sohar, Kabbala zu sehen. Lies, lerne – und triff ein Commitment: nicht aggressiv zu „wollen“, sondern demütig und ausdauernd zu gehen, weil es nötig ist zu wachsen. Feiere mit Kindern und Enkeln, geh in den Park, zu Paraden – feiere die Brücke zwischen Innen und Außen. Denn unsere Welt ist nur die Spitze des Eisbergs. Je mehr du dich mit dem Inneren verbindest, desto mehr ordnet sich auch das Äußere – in dir, in deinen Beziehungen, in der Welt.
Lebe von innen nach außen: „Wer bin ich?“ – und lass das bestimmen, „was ich tue“. „Warum bin ich hier?“ – und lass den Zweck deine Handlungen prägen. Mögen sich die Kanäle des Segens öffnen. Das Meaningful Life Center ist für dich da – nutze die Ressourcen, bleibe verbunden, teile, gib weiter. Wir sind wöchentlich live; Aufzeichnungen findest du auf allen Plattformen. Schicke Vorschläge, Fragen, Erwiderungen.
Möge diese Woche Innen und Außen verbinden. Im Verdienst Raschbis – von dem die Weisen sagen, dass man sich in bedrängten Zeiten auf ihn verlassen kann – mögen wir alle Gnade finden. Raschbi versprach: „Ich kann euch von Urteilen erlösen.“ Möge persönliche und weltweite Erlösung kommen – im Licht dieses kraftvollen Tages. Seid gesegnet. Hier sprach Simon Jacobson, meaningfulife.com. Danke.