Wochenabschnitte
Die Wochenabschnitte (hebräisch: Paraschot haSchawua) sind die 54 Abschnitte der Tora, die im jüdischen Jahreszyklus wöchentlich gelesen werden. Sie teilen die fünf Bücher Mose in wöchentliche Portionen, sodass die gesamte Tora innerhalb eines Jahres vollständig gelesen wird. Dieser Zyklus beginnt jedes Jahr nach dem Feiertag Simchat Tora und endet an diesem Feiertag im darauffolgenden Jahr. An manchen Wochen, besonders in Schaltjahren oder bei Feiertagen, werden zwei Abschnitte zusammengelegt, da das Jahr nicht immer genügend Wochen hat.
Es ist mir eine große Ehre, auf meinem Blog "Verwurzelt" die Gedanken von Rabbi Yuval Lapide zu den wöchentlichen Tora-Abschnitten zu veröffentlichen. Rabbi Lapide, Sohn des berühmten Bibelwissenschaftlers Pinchas Lapide und der herausragenden Historikerin Ruth Lapide, verbindet die Tiefe jüdischer Weisheit mit einem Blick, der Brücken zwischen den Kulturen und Religionen baut.
Seine Ausführungen zeichnen sich durch eine besondere Mischung aus biblischem Wissen, spiritueller Tiefe und modernen Bezügen aus. In den folgenden Beiträgen nimmt er uns mit auf eine Reise durch die Tora, auf der er den Text lebendig werden lässt und zeitlose Botschaften für unseren Alltag offenbart.
Yuval zu Schawuot
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Yuval Lapide: Rabbiner Pinchas Merton pricht in seiner Synagoge in קרית ביאליק über die Vorbereitung auf die Vergabe der Tora und den Satz
אֶת הַדְּבָרִים הָאֵלֶּה דִּבֶּר יְהוָה אֶל כָּל קְהַלְכֶם בָּהָר מִתּוֹךְ הָאֵשׁ הֶעָנָן וְהָעֲרָפֶל קוֹל גָּדוֹל וְלֹא יָסָף וַיִּכְתְּבֵם עַל שְׁנֵי לֻחֹת אֲבָנִים וַיִּתְּנֵם אֵלָי
Deuteronomium 5 18
18 Diese Rede redet ER zu all eurem Gesamtring am Berg, mitten aus dem Feuer, der Wolke, dem Wetterdunkel, mit großem Schall, und nichts weiter, er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln, gab sie an mich.
Rabbi Yuvals Übersetzung der großen Worte des Rabbiners Pinchas Merton הרב פנחס מרטון in seiner glänzenden chassidischen Synagoge in Kirjat Bialik bei Haifa für alle Freunde und Freundinnen in Youtube weitweit Amen.
Parashat Schmini – Wenn das Heilige Feuer spricht
Schalom, geliebte Seele,
in dieser Woche begegnen wir einer der eindrücklichsten und zugleich erschütterndsten Szenen der Tora – in Paraschat Schmini, dem „achten Tag“, dem Tag der Einweihung des Mischkan.
Der achte Tag – Schmini – steht im Hebräischen für das, was über die natürliche Ordnung hinausgeht. Sieben Tage gehören zur Schöpfung, der achte Tag ist Transzendenz, Jenseits der Zeit, Ewigkeit.
🔥 1. Das göttliche Feuer steigt herab
„Und es geschah am achten Tag … und das Feuer ging vom Ewigen aus und verzehrte das Opfer auf dem Altar.“ (Wajikra 9,1–24)
Ein Moment unendlicher Nähe. Die ganze Gemeinde fällt auf ihr Angesicht – G’tt ist gegenwärtig!
Doch unmittelbar danach:
Nadav und Avihu, die Söhne Aarons, bringen „ein fremdes Feuer“ dar – und sie sterben.
(Wajikra 10,1–2)
⚖️ 2. Was war ihr Fehler?
Die Chassidut erklärt:
Es war kein Aufbegehren, kein absichtlicher Frevel. Es war zu viel Nähe, ein übersteigerter Drang, sich dem Göttlichen hinzugeben – aber ohne die klare Grenze der Tora.
Der Rebbe von Lubawitsch sagt:
Sie wollten aufsteigen – aber nicht zurückkehren.
Doch jüdischer Dienst ist nicht Eskapismus. Wir fliehen nicht vor der Welt – wir heiligen sie.
Das wahre Feuer kommt nicht aus unserer Leidenschaft, sondern aus dem göttlichen Willen, der in den Geboten offenbart ist.
🕊️ 3. Schweigen als Antwort
Aaron, ihr Vater, sagt kein Wort.
„Und Aaron schwieg.“ (Wajikra 10,3)
Das Schweigen ist nicht Leere – es ist ein Raum, in dem Schmerz, Demut und Glaube gleichzeitig wohnen.
Manchmal ist der einzige ehrliche Ausdruck der Nähe zu G’tt das Schweigen.
🥩 4. Rein und unrein – das Herz der Welt trennen
Im weiteren Verlauf der Parascha erhalten wir die Kashrut-Gesetze, die Speisegebote:
Was ist rein, was unrein? Was darf in den Leib, was nicht?
Diese Trennung ist keine Willkür, sondern spirituelle Hygiene.
Chassidisch gesprochen:
Wenn du reines Feuer empfangen willst, musst du das Gefäß vorbereiten.
Unser Essen formt unsere Seele. Unser Körper wird zum Tempel.
Und wir lernen, dass nicht alles, was erlaubt scheint, auch heiligend wirkt.
📖 Lernfrage für dich:
Was ist dein eigenes „fremdes Feuer“?
Gibt es in dir eine Sehnsucht, die gut gemeint ist, aber sich vom göttlichen Maß entfernt hat?
Wie kannst du heute dein inneres Feuer reinigen – damit es zu einem Licht wird, das wirklich von oben genährt ist?
✨ Segensworte zum Schluss
Möge dein Feuer rein sein.
Möge dein Schweigen voller Glauben sein.
Möge dein Herz unterscheiden können zwischen dem, was leuchtet – und dem, was verzehrt.
Schmini – der achte Tag – sei für dich ein Tor zur Transzendenz.
Mit Licht und Disziplin, mit Flamme und Klarheit
segne ich dich –
dein chassidischer Lehrer und Bruder
Michael Pinchas Eliyahu
Parascha "Wajikra" - Sicha A
Die Parascha Wajikra beginnt mit einem seltsamen Vers:
„Adam ki jakriw mikem Korban laHaschem …“ – „Wenn ein Mensch von euch eine Opfergabe bringen will …“
Doch warum steht im Hebräischen nicht: Adam mikem ki jakriw – in natürlicher Wortstellung? Warum kommt „von euch“ (mikem) erst später?
Die Chassidut liest in dieser ungewöhnlichen Anordnung einen inneren Ruf:
Es geht nicht darum, dass „irgendjemand von euch“ etwas opfert. Sondern: Wenn ein Mensch sich wirklich G-tt nähern will, dann muss er von sich selbst etwas darbringen.
Nicht ein Tier – sondern das Innere
Das Wort Korban bedeutet „sich nähern“. Und wer sich G-tt nähern will, bringt nicht einfach ein Rind. Er bringt sich selbst.
Denn auch wenn es früher materielle Opfer gab, war das Ziel nie das Fleisch – sondern die spirituelle Arbeit (Awoda). Selbst im Tempel wurde das Tieropfer nur durch die stillen Gebete der Kohanim und die Musik der Leviten zum echten Opfer.
Heute sind wir jeder für sich ein Mikdasch – ein Heiligtum. Die Tieropfer von einst zeigen uns, was in uns gemeint ist:
- Das „Vieh“ ist unsere tierische Seele
- Der Altar ist unser Herz
- Das Feuer ist die Liebe zu G-tt
Die wahre Arbeit: die tierische Seele läutern
Nicht die G’ttliche Seele ist das Ziel der Awoda – sie ist schon rein. Die wahre Herausforderung ist es, das „Tier“ in uns zu veredeln. Nicht zu unterdrücken, sondern zu transformieren.
Denn wenn sogar unsere tierische Kraft, unsere Triebe, unsere Leidenschaften G-tt zuliebe leben lernen – dann steigt unsere Seele höher als durch jede Meditation.
Das ist der tiefste Sinn von mikem Korban laHaschem: Nicht aus dem Himmel fällt das Opfer, sondern aus dir selbst, mit allem, was du bist – auch mit dem Tier in dir.
Doch zuerst: Prüfung und Aufrichtigkeit
Bevor das Tier geopfert wurde, wurde es auf Fehler untersucht. Auch unsere Seele muss sich prüfen – nicht oberflächlich, sondern ehrlich:
- Wo rede ich unrein?
- Wo denke ich selbstbezogen?
- Wo handle ich aus Gewohnheit statt aus Hingabe?
Diese Selbstprüfung nennt die Chassidut Bedika. Und sie ist keine Nebensache. Sie ist der erste Akt der Ehrlichkeit gegenüber dem Ewigen.
Wenn du dich prüfst … und an dir zweifelst
Wer sich ehrlich prüft, wird erkennen: Ich habe noch nicht alles bereinigt. Ich trage noch Altes in mir. Und vielleicht ist meine Teschuwa nicht tief genug gewesen. Vielleicht habe ich mich verändert, aber nicht verwandelt.
Dann kommt die Frage: Wie kann ich G-tt ein Opfer bringen, wenn ich doch noch voller Fehler bin?
Die Antwort ist einfach und gewaltig:
„Mikem uwachem hadawar talui – Es hängt allein von euch ab.“
Nicht deine Vergangenheit entscheidet. Du entscheidest.
Du kannst dich jederzeit neu darbringen – und G-tt nimmt dich an.
Schechita – das Tier in uns loslassen
Die „Schlachtung“ des Tieres bedeutete: Es lebt noch, aber es wird nicht mehr getrieben von seiner eigenen Lebenskraft. Auch das ist unsere Aufgabe: Nicht die Welt verlassen, sondern unsere Energie heiligen.
Essen, reden, genießen – ja. Aber alles um des Himmels willen.
Alles als Dienst. Alles als Teil des großen Opfers.
Die Flamme G-ttes – auch in dir
Am Ende geht es um das Feuer. Das G’ttliche Feuer in uns, das nicht auslöscht, sondern verzehrt, was hindert, und erleuchtet, was wahr ist.
„Ihre Flamme ist die Flamme G’ttes.“
– Das Feuer in dir ist nicht dein eigenes. Es ist Sein Licht, das durch dich leuchtet.
Und dieses Feuer ist stark genug, dass selbst deine tierische Seele mitliebt, mitruft, mitbrennt:
„Mit ganzem Herzen – mit beiden Neigungen.“
Frage zum Weiterdenken:
Was hält dich noch zurück, dich selbst zu opfern – nicht physisch, sondern ganzheitlich?
Wo darf das Feuer G’ttes in dir neu aufflammen?
Segen:
Mögest du lernen, dich selbst darzubringen –
nicht aus Angst, sondern aus Liebe.
Nicht, weil du perfekt bist,
sondern weil du ehrlich bist.
Möge dein Innerstes zum Altar werden,
auf dem die Flamme G’ttes ewig brennt.
Zusammenfassung von: https://www.synagoge-karlsruhe.de/library/article_cdo/aid/6446585/jewish/Wajikra-Sicha-A.htm
Wajikra - Sicha B (Paraschat Sachor)
Torat Chajim – Die Lehre vom Leben
„Die Tora wird daher als Torat Chajim bezeichnet, als Lehre vom Leben.“
Nicht nur ein Buch. Nicht nur ein Kodex. Sondern: Leben selbst.
Die Tora ist nicht eine Sammlung von Regeln für Heilige. Sie ist die Lebensnervbahn der Schöpfung – das, was lebt und belebt.
Sie ist Chajim – Leben, im Plural. Denn sie gibt Leben in allen Dimensionen:
- Im Geist
- Im Herzen
- Im Körper
- In der Welt
- Und in den Welten darüber
„… und durch sie soll er leben.“ (Wajikra 18,5)
„Auch von den Mizwot heißt es: ‚Er wird durch sie leben.‘“
Nicht: Er wird durch sie in den Himmel kommen.
Nicht: Er wird sich durch sie erlösen.
Sondern: Er wird durch sie leben.
Das bedeutet: Die Mizwot sind nicht Mittel zum Zweck, sondern Quellen des Lebens.
Wenn du Schabbat hältst – du lebst.
Wenn du Zedaka gibst – du atmest auf einer höheren Frequenz.
Wenn du Kaschrut einhältst – du verbindest Himmel und Erde in deinem Essen.
Nicht nur für das Jenseits – sondern für das Hier
„Dies bezieht sich nicht nur auf das Jenseits, die kommende Welt nach Vollendung der 120 Jahre.“
So oft sehen wir Tora als etwas für das „spätere Leben“. Doch die Chassidut betont:
Tora ist für jetzt. Für diesen Körper. Diese Welt. Dieses Jahr.
Der Satz „durch sie leben“ ist konkret gemeint:
Ein Jude, der in Tora lebt, lebt länger, tiefer, aufrechter, ganzer.
Denn die Tora ist nicht gegen das Leben – sie ist der innere Takt des Lebens.
248 Organe – 365 Blutgefäße
„… ein lebendiger Jude zu sein mit all seinen 248 Organen (entsprechend den 248 positiven Geboten) und 365 Blutgefäßen (entsprechend den 365 negativen Geboten).“
Die Tora ist in den Körper eingeschrieben.
Die Mizwot sind nicht nur spirituelle Ideen – sie entsprechen ganz real dem Bauplan unseres Körpers:
- Die 248 positiven Mizwot – Tu! – sind wie Organe: aktiv, greifbar, das was lebt und bewegt.
- Die 365 negativen Mizwot – Tu nicht! – sind wie Adern: sie geben Form, Begrenzung, Schutz vor Überflutung.
Ein jüdischer Körper, der die Tora lebt, wird durch sie lebendig gehalten – nicht nur symbolisch, sondern energetisch. Der Körper selbst wird ein Teil des Bundes.
Die Welt wird zur Wohnung G’ttes
„Auf diese Weise erfüllt man das Gebot ‚Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und erobert sie‘, indem man diese ganze Welt in eine Wohnstätte für die G-ttlichkeit verwandelt.“
Das erste Gebot der Tora – „Seid fruchtbar … und erobert die Welt“ – ist kein kolonialistischer Imperativ.
Es ist ein geistlicher Ruf:
„Macht die Welt G-tt würdig.“
Nicht durch Rückzug. Nicht durch Abwertung.
Sondern durch Durchdringung:
- Mit Tefillin im Büro
- Mit Kaschrut in der Küche
- Mit Emuna in der Familie
- Mit Chesed im Alltag
Das künftige Israel: Überall
„So wird sich erfüllen, dass ‚in der Zukunft das Land Israel sich über alle Länder ausdehnen wird‘…“
In der Zukunft – also im Licht des Maschiach – wird nicht ein geografisches Israel herrschen, sondern ein geistiges Israel:
Wohin man sich auch wendet, wird man sehen: „Die Augen des Ewigen, deines G-ttes, sind auf ihm gerichtet – vom Anfang des Jahres bis zum Ende des Jahres.“
Die chassidische Deutung:
- Nicht nur an Neila, am Höhepunkt von Jom Kippur
- Nicht nur am Schabbat, im heiligen Raum
- Nicht nur beim Lernen, im Text
Sondern auch:
- Am Dienstagmorgen im Supermarkt
- Am Mittwochnachmittag im Gespräch mit deinem Kind
- Am Freitag, wenn du müde bist – und dennoch Kerzen anzündest
Dann wird alles Erez Israel.
Denn: Israel ist nicht ein Ort. Israel ist die Durchlässigkeit für G’tt.
Frage zum Weiterdenken:
Wie kannst du heute, jetzt, an genau dem Ort, an dem du bist, ein Stück Israel schaffen –
ein Stück Leben, das von der Tora durchströmt ist?
Segenswort:
Mögest du leben – mit allen Gliedern, allen Gedanken, allen Wegen.
Nicht später, nicht woanders,
sondern jetzt, hier, ganz.
Mögest du ein wandelndes Israel sein –
ein Gefäß, das G’tt sichtbar macht
vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ende.
Zusammenfassung von: https://www.synagoge-karlsruhe.de/library/article_cdo/aid/6446590/jewish/Wajikra-Sicha-B-Paraschat-Sachor.htm
Parascha "Zachor"
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Paraschat Zachor ist die zweite der vier besonderen Toralesungen vor Pessach und wird am Schabbat vor Purim gelesen. Sie enthält die Aufforderung, sich an das Unrecht Amaleks zu erinnern und seinen Namen auszulöschen (Devarim 25:17–19). Amalek steht für die absolute Gottlosigkeit und den Zweifel an der Vorsehung. Diese Lesung ist zentral für das Verständnis der spirituellen und historischen Bedrohung durch Amalek und wird als Toragebot betrachtet, das jeder Jude einmal jährlich hören soll.
Ich hatte die Ehre, die Chabad-Gemeinde in Karlsruhe zu besuchen und dort über Paraschat Zachor zu sprechen. In dieser besonderen Lesung ruft die Tora uns dazu auf, niemals das Unrecht Amaleks zu vergessen – jenen, der das Volk Israel auf seinem Weg aus Ägypten hinterrücks angriff. Doch es geht um weit mehr als eine historische Erinnerung: Amalek symbolisiert die Kälte des Zweifels, die jede innere Gewissheit untergräbt.
In meiner Predigt sprach ich über die tiefere spirituelle Bedeutung dieses Gebots: Wie erkennen wir die "Stimme Amaleks" in unserer eigenen Zeit? Wo begegnen wir ihr in uns selbst – in Momenten der Unsicherheit, in der Versuchung, das Heilige als bloßen Zufall abzutun? Und vor allem: Wie können wir dem entgegentreten?
Es war eine bewegende Erfahrung, diese Gedanken mit der Gemeinschaft zu teilen – ein Moment des gemeinsamen Nachdenkens, der mich mit Dankbarkeit erfüllte.
Parascha "Teruma"
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2.Mo 25
*1 ER redete zu Mosche, sprechend:
2 Rede zu den Söhnen Jissraels daß sie mir eine Hebe aufnehmen, von jedermann, den sein Herz willigt, sollt ihr meine Hebe nehmen.
3 Dies ist die Hebe, die ihr von ihnen aufnehmen sollt: Gold, Silber, Erz,
4 Hyazinth, Purpur, Karmesin, Byssus, Ziegenhaar,
5 rotgegerbte Widderhäute, Seekuhhäute, Akazienstämme;
6 Öl zur Erhellung, Balsame zum Öl der Salbung und zum Räucherwerk der Gedüfte;
7 Beryllsteine, Steine zu Einfüllungen, für den Umschurz, für das Gewappen.
8 Ein Heiligtum sollen sie mir machen, daß ich einwohne in ihrer Mitte.
9 Allwie ichs dir zu schauen gebe, den Urbau der Wohnung und den Urbau all ihrer Geräte, so sollt ihrs machen.
10 Sie sollen machen einen Schrein aus Akazienholz, zwei Ellen und eine halbe seine Länge, eine Elle und eine halbe seine Breite, eine Elle und eine halbe seine Höhe.
11 Überschale ihn mit reinem Gold, von innen und von außen sollst du ihn überschalen. Mache an ihm eine goldne Leiste ringsum.
12 Gieße ihm vier goldne Hülsen, und gib sie an seine vier Trittecken, zwei Hülsen an seine eine Wange, zwei Hülsen an seine andre Wange.
13 Mache Stangen von Akazienholz und überschale sie mit Gold
14 und bringe die Stangen in die Hülsen an den Wangen des Schreins, den Schrein an ihnen zu tragen.
15 In den Hülsen des Schreins sollen die Stangen sein, sie sollen von ihm nicht weichen.
16 In den Schrein sollst du geben die Vergegenwärtigung, die ich dir geben werde.
Die Worte aus dem Buch Schemot (Exodus 25,2–3) tragen eine tiefe Botschaft in sich, die weit über den materiellen Aspekt der Spende hinausgeht. Der Ewige befiehlt Mosche, die Kinder Jissraels aufzufordern, eine Hebe – eine Abgabe – für den Bau des Mischkan zu erheben. Doch nicht einfach von jedem, sondern von jedermann, den sein Herz willigt.
Hier liegt das Geheimnis der Heiligkeit verborgen: Nicht das Geben an sich heiligt die Gabe, sondern die Hingabe des Herzens. Die Konstruktion der Wohnstätte G-ttes auf Erden beginnt nicht mit Steinen oder Metall, sondern mit einem aufrichtigen Willen, mit einer inneren Bereitschaft, die aus Liebe und Verbindung zum Schöpfer erwächst.
Das Gold, das Silber und das Erz, die in der Tora aufgezählt werden, symbolisieren verschiedene Stufen der Seele:
- Gold (זהב – Sahav) steht für die brennende Liebe zu G-tt, die leidenschaftliche Hingabe.
- Silber (כסף – Kessef) symbolisiert die Sehnsucht, das Verlangen nach Nähe zum Ewigen.
- Erz (נחושת – Nechoschet) repräsentiert die Erdhaftigkeit, den Dienst in der physischen Welt mit Beharrlichkeit.
Jeder Mensch bringt das, was seinem Herzen entspricht. Es gibt Menschen, die mit glühender Leidenschaft dienen (Gold), andere mit tiefer Sehnsucht (Silber), und wieder andere, die mit schlichter Standhaftigkeit ihren Weg gehen (Erz). Alle sind notwendig für das Bauwerk der Heiligkeit.
Dies ist eine tiefe Lehre auch für unsere Zeit: Die Heiligkeit der Welt wird nicht durch Zwang errichtet, sondern durch freies Geben, durch die innere Bereitschaft, sich selbst einzubringen – sei es mit Liebe, mit Sehnsucht oder mit Ausdauer.
So frage ich dich heute: Was ist deine Hebe, die du mit willigem Herzen darbringst?
Ist es deine Zeit? Deine Hingabe? Deine Geduld? Was ist dein Gold, dein Silber, dein Erz?
Lass uns gemeinsam darüber nachdenken, wie wir unsere inneren Gaben zum Bau eines Ortes des Einsseins beitragen können.
Parascha "Mischpatin"
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Die Parascha Mischpatim (Schmot 21:1–24:18) folgt direkt auf die Offenbarung am Sinai und leitet über von den donnernden Worten der Zehn Gebote zu einem detaillierten Gesetzeskodex. Es geht um soziale Gerechtigkeit, ethische Verantwortung und das rechte Verhalten im Alltag. Mischpatim bedeutet „Gesetze“, und doch sind diese nicht bloß juristische Anordnungen, sondern ein Ausdruck der göttlichen Ordnung, die das Zusammenleben heiligen soll.
Exodus Kapitel 21 Verse 22 bis 25
Korrektur einer allzulange von ungebildeten Christen missinterpretierten Vorschrift aus der Tora des gebildeten!!! Juden Rabbi Jesus Jehoschua
22 Wenn sich Männer raufen und verletzen dabei ein schwangeres Weib, daß ihr die Kinder abgehn, aber es geschieht nicht das Ärgste, wird er mit Bußleistung gebüßt, wie der Gatte des Weibs ihm ansetzt, doch gebe er nur nach Schiedspruch.
23 Geschieht das Ärgste aber, dann gib Lebenersatz für Leben -
24 Augersatz für Auge, Zahnersatz für Zahn, Handersatz für Hand, Fußersatz für Fuß,
25 Brandmalersatz für Brandmal, Wundersatz für Wunde, Striemersatz für Strieme.
Parascha "Jitro"
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Yuvals tiefe Gedanken zu Paraschat Jitro für alle Christen Freunde von Michael Pinchas Deck aus rückverwurzelten Magdeburg in Exodus Kapitel 18 2 bis Kapitel 20 22.
Der Name Jitro (יִתְרוֹ) kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „sein Mehr“ oder „sein Überfluss“. Der Name leitet sich von der Wurzel יתר (J-T-R) ab, die „hinzufügen“ oder „überfließen“ bedeutet.
Bedeutung im Kontext der Tora:
Jitro, der Schwiegervater von Mosche, war ein Priester von Midian und eine bedeutende spirituelle Persönlichkeit. Seine Rolle in der Tora ist vielschichtig:
- Ein Suchender der Wahrheit – Er erkannte die Größe des Ewigen und schloss sich dem jüdischen Volk an.
- Ein Ratgeber – Er gab Mosche den Rat, ein System von Richtern einzuführen, um das Volk besser zu führen.
- Eine Verbindung zwischen den Völkern – Er symbolisiert die universelle Weisheit, die in die Heiligkeit integriert wird.
Die Kabbala betrachtet den Namen Jitro als Hinweis darauf, dass seine Seele einen „Zuwachs“ an Heiligkeit erfuhr, als er sich zur Wahrheit bekannte. Sein Name steht somit für eine Transformation, für das Überschreiten alter Grenzen hin zu einer höheren Bewusstseinsstufe.
Parascha Bo "Komm"
Exodus 10 Vers 1 bis Exodus 13 Vers 16
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Das Wort "Bo" (בֹּא) ist Hebräisch und bedeutet „Komm“ oder „Geh hinein“. Es ist das erste bedeutsame Wort in 2. Mose (Schemot) 10,1, wo es heißt:
וַיֹּאמֶר ה' אֶל-מֹשֶׁה בֹּא אֶל-פַּרְעֹה...
"Und der Ewige sprach zu Mosche: Komm zu Pharao..."
Warum heißt die Parascha „Bo“?
Der Name einer Parascha wird traditionell aus den ersten einprägsamen Wörtern der Sidra entnommen. In diesem Fall beginnt die Parascha mit G’ttes Befehl an Mosche, zu Pharao zu kommen, um die letzte Phase der Plagen anzukündigen, die zur Befreiung der Israeliten aus Ägypten führen.
Warum „Bo“ (komm) und nicht „Lech“ (geh)?
Man könnte erwarten, dass G’tt Mosche sagt „Lech“ (לך), also „geh zu Pharao“, aber stattdessen sagt Er „Bo“, was eigentlich „komm“ bedeutet.
Chassidische Erklärung:
G’tt sagt nicht einfach „geh zu Pharao“, sondern „komm“, weil G’tt selbst in Pharaos Palast ist – auch in der tiefsten Dunkelheit der Klipa (spirituelle Unreinheit). Mosche wird eingeladen, tiefer in das Wesen des Pharao einzudringen, um die göttliche Wahrheit auch dort zu offenbaren.
Diese Idee spiegelt ein grundlegendes Konzept wider:
G’tt ist überall, selbst an Orten, die wir als fern oder böse empfinden. Die wahre Herausforderung ist, dort Licht hineinzubringen.
Für die Parascha Bo gibt es mehrere passende Lesungen aus dem Brit Chadasha (Neues Testament), die das Thema der Befreiung, des Lammes und des Bundes mit G’tt aufgreifen.
Empfohlene Lesung für Schabbat:
- Lukas 22:7-20 (Das letzte Passahmahl und Yeshua als Lamm G’ttes)
- 1. Korinther 5:6-8 (Das ungesäuerte Brot und die Reinheit des neuen Lebens)
- Offenbarung 5:6-10 (Das geschlachtete Lamm, das würdig ist, das Buch zu öffnen)
Möge diese Lesung die Verbindung zwischen dem Exodus und der endgültigen Erlösung durch den Messias vertiefen!
Parascha Shemot "Namen"
Exodus 1:1 - 6:1
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Exodus 2
1 Ein Mann aus dem Hause Lewi war gegangen und hatte sich eine Lewitochter genommen. 2 Das Weib wurde schwanger, sie gebar einen Sohn. Sie sah, daß er wohlbeschaffen war, sie suchte ihn zu verheimlichen, drei Monate. 3 Als sie ihn nicht länger verheimlichen konnte, nahm sie für ihn ein Kästlein aus Papyrusrohr, sie verlehmte es mit Lehm und mit Pech und legte das Kind darein und legte es in das Schilf am Ufer des Flusses. 4 Seine Schwester aber stellte sich von fern, um zu erfahren, was ihm geschähe. 5 Pharaos Tochter stieg herab, am Fluß zu baden, während ihre Jungfrauen sich zuseiten des Flusses ergingen. Sie sah das Kästlein mitten im Schilf und schickte ihre Magd, daß die es aufnehme. 6 Sie öffnete, sah es, das Kind: da, ein weinender Knabe! Es dauerte sie sein, sie sprach: Von den Kindern der Ebräer ist dieses. 7 Seine Schwester sprach zur Tochter Pharaos: Soll ich gehn und dir ein säugendes Weib von den Ebräerinnen rufen, daß sie das Kind dir säuge? 8 Pharaos Tochter sprach zu ihr: Geh! Das Mädchen ging und rief die Mutter des Kindes. 9 Pharaos Tochter sprach zu ihr: Laß dieses Kind mitgehn und säuge es mir, deinen Lohn gebe ich selber. Das Weib nahm das Kind und säugte es. 10 Das Kind wurde groß, sie brachte es zu Pharaos Tochter, es wurde ihr zum Sohn. Sie rief seinen Namen: Mosche, Der hervortauchen läßt. Sie sprach: Denn aus dem Wasser habe ich ihn hervortauchen lassen.. 11 In jenen Tagen geschahs, Mosche war groß geworden, er zog zu seinen Brüdern aus und sah ihre Lasten. Er sah, wie ein ägyptischer Mann einen ebräischen Mann, von seinen Brüdern einen, schlug. 12 Er wandte sich hierhin und hierhin, und sah, daß kein Mann da war, und erschlug den Ägypter. Er verscharrte ihn im Sand. 13 Am zweiten Tag zog er wieder aus, da rauften miteinander zwei ebräische Männer. Er sprach zu dem Schuldigen: Warum schlägst du deinen Genossen? 14 Der sprach: Wer hat dich zu einem Obern und Richter über uns gesetzt? sinnst du mich umzubringen, wie du den Ägypter umgebracht hast? Mosche erschrak und sprach zu sich: Gewiß, bekanntgeworden ist das Begebnis. 15 Pharao hörte von diesem Begebnis und trachtete Mosche umzubringen. Aber Mosche entwich vor Pharao und verweilte erst im Lande Midjan, am Brunnen verweilte er. 16 Der Priester von Midjan hatte sieben Töchter. Die kamen, schöpften und füllten die Rinnen, die Schafe ihres Vaters zu tränken, 17 aber die Hirten kamen und scheuchten sie auf. Mosche erhob sich, er befreite sie und tränkte ihre Schafe. 18 Als sie zu Ruel ihrem Vater kamen, sprach er: Warum habt ihr euch heute so beeilt heimzukommen? 19 Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann hat uns aus der Hand der Hirten gerettet, er schöpfte auch, schöpfte für uns und tränkte die Schafe. 20 Er sprach zu seinen Töchtern: Wo ist er denn? warum habt ihr den Mann zurückgelassen? ruft ihn, daß er das Brot esse! 21 Mosche willigte ein, bei dem Mann zu weilen. Der gab Mosche seine Tochter Zippora. 22 Sie gebar einen Sohn, und er rief seinen Namen: Gerschom, Ödegast, denn er sprach: Gast bin ich in fremdem Lande geworden. 23 In jenen vielen Tagen geschah: Der König von Ägypten starb.. Die Söhne Jissraels aber seufzten aus dem Dienst, sie schrien auf, ihr Hilferuf stieg zu Gott empor aus dem Dienst. 24 Gott aber hörte ihr Gestöhn, Gott aber gedachte seines Bunds mit Abraham, mit Jizchak und mit Jaakob, 25 Gott aber sah die Söhne Jissraels, Gott erkannte.
Parascha WaJechi "Und er lebte" Genesis 47:28 - 50:26
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Das Buch Bereschit Genesis Kapitel 50
15 Als Jossefs Brüder sahen, daß ihr Vater tot war, sprachen sie: Wenn nun Jossef uns befehdete und vergälte uns all das Böse, das wir ihm bereitet haben, vergälte es!
16 Sie entboten dem Jossef, sprechend: Dein Vater hat vor seinem Tod geboten, sprechend:
17 Solcherweise sprecht zu Jossef: Ach vergib doch die Abtrünnigkeit deiner Brüder und ihre Versündigung, daß sie dir Böses bereitet haben! Nun, vergib doch der Abtrünnigkeit der Knechte des Gottes deines Vaters! Jossef weinte, als mans zu ihm redete.
18 Auch seine Brüder selber gingen, sie fielen vor ihm nieder und sprachen: Hier sind wir, dir verknechtet zu sein.
19 Jossef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nimmer! bin ich denn an Gottes Statt?
20 Habt ihr, ihr Böses wider mich geplant, Gott hats umgeplant zum Guten, um zu tun, wies heut am Tag ist: ein großes Volk am Leben zu halten.
21 Nun aber fürchtet euch nimmer, ich selber will euch und eure Kleinen verpflegen. Er tröstete sie und redete zu ihrem Herzen.
22 Jossef blieb in Ägypten, er und das Haus seines Vaters. Jossef lebte hundertundzehn Jahre.
23 Jossef sah von Efrajim Söhne des dritten Geschlechts, noch Söhne Machirs, des Sohns Mnasches, wurden auf den Knien Jossefs geboren.
24 Jossef sprach zu seinen Brüdern: Ich sterbe, aber Gott wirds zuordnen, zuordnen euch, hinan führt er euch aus diesem Land in das Land, das er zuschwor Abraham, Jizchak und Jaakob.
25 Jossef beschwor die Söhne Jissraels, sprechend: Zuordnen, zuordnen wirds euch Gott, bringt dann meine Gebeine von hier hinan!
26 Jossef starb, hundertundzehn Jahre alt. Man balsamte ihn und man legte ihn in den Schrein in Ägypten.
Metanoia – Ein Ruf zur Umkehr und Versöhnung
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Von Michael Deck, ein "Verrücker" für den Glauben
In einer Welt voller Trennungen und Missverständnisse gibt es Geschichten, die uns aufrütteln und uns zur Reflexion anregen. Eine solche Geschichte ist der Dialog zwischen Jehuda und Josef im Buch Genesis, Kapitel 44. Diese Geschichte, die am 3. Januar 2025 aktueller denn je erscheint, bietet einen tiefgreifenden Blick auf das, was es bedeutet, menschlich zu sein – zu bekennen, zu vergeben und echte Brüderlichkeit zu leben.
Jehuda, der Jude par excellence, zeigt uns, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Mit dem Mut, seine Fehler einzugestehen, tritt er vor Josef und bekennt: „Ich habe gefehlt.“ Dieses Bekenntnis ist keine einfache Floskel. Es ist das Ergebnis tiefer innerer Umkehr – Teshuva –, die in die Tat mündet. Jehuda symbolisiert damit die Möglichkeit, Konflikte in Chancen für echten Dialog und Versöhnung zu verwandeln.
Doch was hat das mit uns heute zu tun? Diese Frage ist nicht nur eine theologische, sondern eine zutiefst persönliche. Die Geschichte von Jehuda und Josef mahnt uns Christen, unsere Beziehung zu unseren jüdischen Brüdern und Schwestern neu zu überdenken. Zu lange haben Missverständnisse und Ignoranz die Brücke zwischen den beiden Glaubensgemeinschaften blockiert. Die historische Schuld – von den Kreuzzügen bis hin zur Shoah – verlangt nach einem klaren, ehrlichen Bekenntnis: „Wir haben gefehlt.“ Es reicht nicht, dies nur innerlich zu fühlen. Es muss laut ausgesprochen werden – in Synagogen, in Gesprächen, ja, sogar im Internet.
Die Bedeutung dieses Dialogs reicht weit über eine rein religiöse Reflexion hinaus. Er ist ein Aufruf, die tiefen Wurzeln des Neuen Testaments zu verstehen – seiner „Hebraizität“, wie es Professor Pinchas Lapide nannte. Das jüdische Denken, Fühlen und Handeln Jesu bleiben vielen Christen fremd. Doch ohne dieses Verständnis bleibt unser Glaube oberflächlich. Jesus war ein Jude, durch und durch, und seine Lehren sind ohne den Kontext der Tora nicht zu begreifen.
In unserer Zeit, in der Bildung so leicht zugänglich ist wie nie zuvor, ist Unwissenheit nicht zu entschuldigen. Die Botschaft ist klar: Wer sich nicht weiterbildet, bleibt in der Verblendung gefangen. Christen sind aufgerufen, ihre Bibeln neu zu lesen – diesmal mit den Augen und Herzen jüdischer Gelehrter, die den Text in seiner Ursprache und ursprünglichen Kultur verankert verstehen.
Die Geschichte von Jehuda und Josef zeigt uns, dass es nie zu spät ist, die Richtung zu ändern. Es ist an der Zeit, Brücken zu bauen, statt Mauern zu errichten. Es ist Zeit für Metanoia – eine Rückkehr zu den Wurzeln, zu Demut und zur Authentizität des Glaubens. So wie Jehuda vor Josef trat, so müssen auch wir vor unsere jüdischen Brüder und Schwestern treten, um zu sagen: „Es tut uns leid. Lasst uns gemeinsam einen neuen Weg gehen.“
Brüderlichkeit, Verantwortung und die Heilung einer zerrissenen Familie – Parashat Vayigash
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Die Parashat Vayigash, Genesis Kapitel 44 bis 47, offenbart einen Wendepunkt in der Beziehung zwischen Josef und seinen Brüdern. Nach 22 langen Jahren der Entfremdung und Schuld stehen sich die Brüder erneut gegenüber. Der einst Verratene, Josef, ist nun Vizeregent von Ägypten, mächtig und einflussreich. Doch anstatt Vergeltung zu suchen, entfaltet sich in diesem dramatischen Moment eine tiefgreifende Botschaft: die Möglichkeit von Versöhnung und Heilung.
Ein Bruch, der Heilung verlangt
Josef, der als Jugendlicher von seinen Brüdern in einen Brunnen geworfen und an fremde Händler verkauft wurde, stellt seine Brüder nun auf die Probe. Er droht, Benjamin, den jüngsten Bruder, als Geisel zu nehmen, um zu sehen, ob sich ihre Haltung verändert hat. Jehuda, der einst an Josefs Verrat beteiligt war, tritt mutig vor und spricht die Worte aus, die den Kern der Tora und der menschlichen Geschichte berühren: Brüderlichkeit, Verantwortung und Reue.
Jehuda bekennt offen, dass er und seine Brüder an Josef versagt haben – nicht nur als Geschwister, sondern auch gegenüber ihrem Vater Jakob, der den Verlust Josefs nie überwunden hat. Diese Einsicht markiert den Wendepunkt. Jehuda appelliert an Josef, indem er mit bewegenden Worten Verantwortung übernimmt und für Benjamin eintritt.
Von Brüderlichkeit zur universellen Versöhnung
Die tiefgehende Botschaft dieser Parasha zeigt sich nicht nur in der Versöhnung der Brüder, sondern auch in der neu entstehenden Beziehung zwischen den jüdischen Brüdern und dem ägyptischen Volk. Der Pharao, bewegt von der Wiedervereinigung der Familie, öffnet seine Hand und gewährt ihnen einen Ort des Friedens in Goshen. Diese Geste symbolisiert die Möglichkeit, dass Versöhnung zwischen Einzelnen auch Heilung und Kooperation auf gesellschaftlicher Ebene bewirken kann.
Josef selbst zeigt uns eine chassidische Perspektive der Größe: Er erkennt in der Verfehlung seiner Brüder nicht nur Schmerz, sondern die Grundlage für spirituelles Wachstum. Chassidut lehrt, dass wahre Brüderlichkeit entsteht, wenn wir aus unseren Fehlern lernen und eine neue Haltung einnehmen – eine Haltung, die geprägt ist von Verantwortung, Mitgefühl und einer tiefen Verbindung zu unseren Mitmenschen.
Eine Botschaft für unsere Zeit
Die Geschichte von Josef und seinen Brüdern ist mehr als eine Familiengeschichte – sie ist ein Leitfaden für unsere Zeit. Sie ruft uns dazu auf, unsere eigenen zerbrochenen Beziehungen zu überdenken und mutig Schritte der Versöhnung zu gehen. Jehuda zeigt, dass wahre Größe in der Demut liegt, Fehler einzugestehen und aktiv an Heilung zu arbeiten.
Die Tora erinnert uns daran, dass die Kraft der Versöhnung nicht nur Einzelne heilt, sondern ganze Gemeinschaften verändern kann. Wenn wir Verantwortung füreinander übernehmen, öffnen wir die Türen zu Frieden, Segen und einer neuen Fruchtbarkeit – sowohl spirituell als auch materiell.
Möge diese Parasha uns alle inspirieren, in unserem eigenen Leben Brücken zu bauen und die wahre Kraft von Brüderlichkeit und Mitmenschlichkeit zu entdecken.